Heute ist der 9. Mai 2026. In Schwerin, wo der Frühling mit seinen frischen Farben die Stadt zum Leben erweckt, findet das 35. Schweriner Filmkunstfest statt. Ein Festival, das nicht nur ein Schaufenster für cineastische Kunst ist, sondern auch ein Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Herkunft. Der Eröffnungsfilm „Garten der Hoffnung“ von Dieter Schumann, einem bedeutenden Dokumentarfilmer aus Mecklenburg-Vorpommern, ist ein echtes Highlight. In diesem Werk geht es um die Menschen im und um den Nachbarschaftsgarten im Plattenbaugebiet Großer Dreesch. Hier begegnen sich Deutsche, Syrer, Ukrainer und Afghanen, und das auf eine Art und Weise, die einem das Herz erwärmt.
„Garten der Hoffnung“ feierte am 5. Mai seine Uraufführung und ließ das Publikum in die Lebensrealitäten von fünf Nationen eintauchen. Die Geschichten der Beteiligten sind leise, aber voller Kraft. Gerhard, ein Mitwirkender, beschreibt die Gruppe als „zusammengewürfelt“ und hebt die Offenheit und Empathie der Beteiligten hervor. Eine Frau erzählt von den positiven Erfahrungen, die sie beim Kennenlernen ihrer Nachbarn im Garten gesammelt hat – es sind genau solche kleinen Alltagsmomente, die Schumann in den Mittelpunkt seiner Erzählung stellt. Er hat bei den Dreharbeiten über ein Jahr lang mit seinem Kameramann Michael Kockot gearbeitet und dabei die Aufgeschlossenheit und den Lebenswillen der Menschen eingefangen.
Ein Film, der zum Nachdenken anregt
In „Garten der Hoffnung“ wird deutlich, dass Gemeinschaft und Menschlichkeit mehr zählen als materieller Wohlstand. Schumann selbst sagt, dass es wichtig sei, den Protagonisten Zeit und Raum zu geben, um ihre Geschichten zu erzählen. Er kritisiert die Sensationslust der Medien und fordert mehr Raum für die Stimmen derer, die oft übersehen werden. Das Festival, das bis zum 10. Mai läuft, bietet genau diese Plattform – ein Forum für sozial engagierte Filme, die abseits des Mainstreams agieren und oft nicht in regulären Kinos gezeigt werden. Im Jahr 1991 war Schumann der erste Festivalleiter des Filmfestes, das nach der Wende in Ostdeutschland ins Leben gerufen wurde. Heute leitet Volker Kufahl das Festival und hat „Garten der Hoffnung“ aus guten Gründen gewählt: Die Themen Migration, Einsamkeit, Altersarmut und Zukunftsängste sind aktueller denn je.
Das Gastland des Festivals ist Island, und die Ehrung von Armin Mueller-Stahl mit dem Ehrenpreis „Goldener Ochse“ ist der krönende Abschluss eines Festivals, das Kunst und gesellschaftliche Themen miteinander verknüpft. Schumann und Kockot betrachten sich als politische Filmemacher. Sie sind überzeugt, dass die alten Wertemodelle erschöpft sind und neue Ansätze notwendig sind. Die regionale Filmförderung in Mecklenburg-Vorpommern, die sich auf 2,3 Millionen Euro beläuft, ist ein Schritt in die richtige Richtung, um eine neue Generation von Filmemachern zu unterstützen. Schließlich gab es in MV 20 Jahre lang keine substanzielle Filmförderung – ein Umstand, der die Entwicklung einer Nachwuchsszene enorm erschwert hat.
Ein Blick in die Zukunft
Mit „Garten der Hoffnung“ wird deutlich, wie wichtig es ist, dass Geschichten von Randgruppen Gehör finden. Kateryna, eine Künstlerin aus der Ukraine, bezeichnet den Garten als „kleine Rettung“. Solche Aussagen berühren und lassen einen spüren, wie essenziell Gemeinschaft in Zeiten von Unsicherheit ist. In einer Welt, die oft vom Materialismus geprägt ist, zeigt dieser Film, dass es die menschlichen Beziehungen sind, die uns tragen. Das Schweriner Filmkunstfest bietet diesen Geschichten einen Raum – eine wunderbare Gelegenheit, um innezuhalten und nachzudenken.