Am 8. Mai 2026 war es wieder soweit: In Mecklenburg-Vorpommern wurde an das Ende des Zweiten Weltkriegs von 1945 und die Befreiung vom Nationalsozialismus erinnert. Der Ort des Geschehens? Raben Steinfeld, nicht weit von Schwerin, am Mahnmal „Die Mutter“, das für viele symbolisch für den Schmerz und das Leid steht, das Kriege mit sich bringen. An diesem Tag versammelten sich zahlreiche Menschen, um ihrer Trauer und ihrem Respekt für die Opfer von Krieg und Gewalt Ausdruck zu verleihen.
Unter den Anwesenden waren prominente Gesichter wie Innenminister Christian Pegel (SPD) und die Vizepräsidentin des Landtags, Beate Schlupp (CDU). Sie alle legten Kränze nieder, hielten eine Schweigeminute ab – ein Moment, der schwer und bedeutungsvoll in der Luft lag. Pegel nutzte die Gelegenheit, um die Wichtigkeit der Erinnerung für unsere Gegenwart zu betonen. Denn, wie er sagte, die Demokratie und die Menschenwürde müssen immer wieder neu verteidigt werden.
Eine unerwartete Wendung
Doch während der Zeremonie passierte etwas, das viele Anwesende irritierte. Ein älterer Mann in NVA-Uniform trat vor das Mahnmal, salutierte militärisch und sorgte damit für Aufsehen. Er trug mehrere Orden an seiner Uniform, und die Situation wurde schnell umstritten. Pegel und Schlupp waren überrascht und bezeichneten den Auftritt als unangemessen für ein solches Gedenken. Komischerweise hatte niemand eingegriffen. In den vergangenen Jahren waren zwar auch Mitglieder von Traditionsverbänden der NVA an den Gedenkfeiern teilgenommen, jedoch nie in Uniform. Das war neu und sorgte für Gesprächsstoff unter den Anwesenden.
Der SPD-Abgeordnete Philipp da Cunha war ganz besonders überrascht über den Vorfall. Tatsächlich ist das Tragen von NVA-Uniformen bei öffentlichen Veranstaltungen rechtlich problematisch und grundsätzlich verboten – selbst wenn die Uniform an sich nicht als verfassungsfeindliches Symbol gilt. In der Vergangenheit gab es bereits Gerichtsverfahren, die sich mit dem Tragen dieser Uniformen befasst haben. Schließlich war die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR Teil des SED-Machtapparats und unterlag ideologischen Einflüssen. Das trägt natürlich zur Komplexität der Situation bei.
Die Geschichte der NVA in Mecklenburg-Vorpommern
Um die Verwirrung rund um die NVA-Uniformen besser zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick auf die Geschichte der NVA in Mecklenburg-Vorpommern zu werfen. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurden viele der ehemaligen NVA-Standorte umgewandelt oder ganz aufgegeben. Orte wie Ahlbeck mit der Grenzübergangsstelle Ahlbeck oder die Recknitztal-Kaserne, die einst Marinetransportbataillon 3 beherbergte, sind nur einige Beispiele für die damaligen militärischen Einrichtungen. Die Umwandlung in zivile Nutzung ist bis heute ein Thema. So wurde die Kurt Bürger-Kaserne in Schwerin zu einem Symbol des Wandels.
Die NVA selbst wurde 1956 gegründet und führte Uniformen ein, die stark an die Wehrmacht erinnerten. Diese Uniformen waren nicht nur ein Teil des Militärs, sondern auch ein Ausdruck der Ideologie der DDR. Die Uniformen bestanden aus steingrauem Tuch, und verschiedene Waffengattungen hatten unterschiedliche Farben, die an den Schulterstücken und Kragenspiegeln zu erkennen waren. Das alles spiegelt den Versuch wider, einen deutschen „Nationalcharakter“ zu betonen, um sich von der Bundeswehr abzugrenzen.
Wie so oft in der Geschichte, so ist auch hier der Weg zur Erinnerung ein steiniger. Der Auftritt des Mannes in NVA-Uniform mag einige irritiert haben, doch er wirft auch Fragen auf über den Umgang mit der Vergangenheit und die Art und Weise, wie wir heute damit umgehen. In einer Welt, in der die Erinnerung an die Schrecken des Krieges und die Verletzungen der Menschenwürde so wichtig ist, bleibt es eine Herausforderung, wie wir die verschiedenen Teile unserer Geschichte in Einklang bringen.