Am 8. Mai 2026 feiert der Dokumentarfilm „Kommunist“ seine mit Spannung erwartete Uraufführung beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Regisseur Lutz Pehnert hat in über eineinhalb Jahren intensiver Gespräche mit Egon Krenz, einer Schlüsselfigur der DDR-Geschichte, ein Porträt geschaffen, das sowohl persönliche Erinnerungen als auch die politischen Verstrickungen dieser Zeit beleuchtet. Krenz, der eine steile Karriere in der SED durchlief und letztlich für 50 Tage Staatschef der DDR war, gibt in diesem Film Einblicke in sein Leben und seine Überzeugungen. Er lebt seit rund 35 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland und hat sich in Dierhagen an der Ostsee niedergelassen.
Der Dokumentarfilm thematisiert Krenz‘ Kindheit und Jugend in der Kriegs- und Nachkriegszeit, seine ersten politischen Schritte bei der CDU und den späteren Eintritt in die SED. Krenz selbst beschreibt den Ausschluss aus der Partei als das größte Trauma seines Lebens. Hier wird nicht nur sein Aufstieg, sondern auch sein Fall skizziert – und das in einem historischen Kontext, der stark vom Kalten Krieg geprägt war. Die Verknüpfung seiner biografischen Stationen mit den Geschehnissen in der DDR ist dabei ein zentrales Element des Films.
Kritische Stimmen und Weggefährten
Im Film kommen nicht nur Krenz‘ eigene Erinnerungen zu Wort, sondern auch die Perspektiven seiner politischen Weggefährten und Kritiker. Solveig Leo, die mit Krenz im Zentralrat der FDJ zusammenarbeitete, erinnert sich an diese Zeit, während der Theologe Werner Krätschell eine kritische Sicht auf Krenz einnimmt und ihn als Teil des Systems beschreibt, das er selbst bekämpfte. Diese unterschiedlichen Stimmen und Positionen verleihen dem Film eine spannende Dynamik.
Besonders interessant ist, dass Krenz sich trotz seiner Vergangenheit als Kommunist bezeichnet und an seinen Überzeugungen festhält. Die Utopie, die ihn einst antrieb, wird im Film als zentraler Bestandteil seiner Identität dargestellt. Diese Haltung könnte viele Fragen aufwerfen und wird sicherlich zu Diskussionen anregen, besonders im Hinblick auf die Verantwortung für die Mauertoten, für die Krenz später verurteilt wurde. Diese Verknüpfung von persönlicher Geschichte und politischer Verantwortung ist ein faszinierendes Element des Films.
Ein Blick in die Zukunft
Der Dokumentarfilm „Kommunist“ wird nicht nur am 8. Mai in Schwerin uraufgeführt, sondern hat auch einen bundesweiten Kinostart am 11. Juni 2026. Produziert von der Berliner Firma solo:film, war der ursprüngliche Arbeitstitel des Projekts „Genosse Krenz“. Mit einer Laufzeit, die die verschiedenen Facetten von Krenz’ Leben und der DDR-Geschichte beleuchtet, könnte der Film eine neue Perspektive auf den Niedergang der DDR und die Wege der Menschen, die in diesem System aufwuchsen, eröffnen.
In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR nach wie vor von Bedeutung ist, könnte dieser Film dazu beitragen, die Komplexität und die menschlichen Aspekte dieser Zeit besser zu verstehen. Ob die Zuschauer nach der Uraufführung mit neuen Einsichten oder Fragen aus dem Kino kommen, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Das Thema ist alles andere als einfach und wird sicherlich für Gesprächsstoff sorgen.