Heute ist der 18.05.2026 und wir blicken auf eine spannende, aber auch etwas frustrierende Zeit im Bereich der digitalen Transformation bei unseren Behörden. In Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, gibt es immer wieder Diskussionen um die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der IT-Projekte, die mit Steuergeldern finanziert werden. Der Bundesrechnungshof hat jüngst einen Prüfbericht an den Deutschen Bundestag vorgelegt, der mehr als nur ein mulmiges Gefühl hinterlässt. Die Vorwürfe gegen die Bundesagentur für Arbeit (BA) sind eindeutig: Es mangelt an einer adäquaten Bedarfsermittlung bei IT-Vorhaben. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs!

Ein besonders aufschlussreiches Beispiel ist das IT-System „Computerunterstützte Sachbearbeitung (COSACH)“. Ursprünglich sollte dieses System abgelöst werden, doch die BA entschied sich, die Software zunächst selbst zu entwickeln. Später, nach über sieben Jahren, wurde auch Standardsoftware in Betracht gezogen. Die Vorbereitungen für die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung schlugen mit über 10 Millionen Euro zu Buche, wobei allein über 4 Millionen bis 2021 angefallen sind. Das wirft Fragen auf, nicht wahr?

Die Jugendberufsagenturen im Fokus

Ein weiteres Beispiel, das die ineffiziente Nutzung von Ressourcen beleuchtet, ist das IT-System „YouConnect“, das für Jugendberufsagenturen gedacht war. Hier wurde eine bundesweite Nutzung angestrebt, aber nur jede fünfte der 367 Agenturen nutzt das System tatsächlich. Die Jugendberufsagenturen selbst äußern Bedenken – sie sehen keinen Bedarf, da bereits bestehende Austauschformate vorhanden sind. Die BA hatte die Entwicklung und den Betrieb des Systems mit über 60 Millionen Euro veranschlagt. Die Mängel bei der Bedarfsermittlung sind nicht nur ein Einzelfall, sie scheinen systemimmanent zu sein.

Die BA hat zwar in einer Stellungnahme eingeräumt, dass die Bedarfserhebung und Lösungsmöglichkeiten in der Vergangenheit nicht durchgängig berücksichtigt wurden, aber das Gefühl bleibt, dass hier viel Geld im Sande verläuft. Inzwischen hat die BA Verbesserungen eingeführt und eine Arbeitsgruppe zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ins Leben gerufen. Doch ob das wirklich ausreicht, um die Probleme zu lösen?

Der große IT-Konsolidierungsplan

Ein Blick über die Grenzen der BA hinaus offenbart, dass die Herausforderungen nicht einzigartig sind. Die Bundesregierung hatte sich ambitionierte Ziele für die IT-Konsolidierung gesetzt, doch die Realität sieht anders aus. Ursprünglich war geplant, die Bundes-IT bis Ende 2023 zu modernisieren. Ein Konzept wurde vor über zehn Jahren beschlossen, um eine leistungsfähige und wirtschaftliche IT zu erreichen. Doch die Kosten für dieses Projekt haben sich von 1 Milliarde Euro auf stolze 3,5 Milliarden Euro erhöht. Der Bundesrechnungshof hat festgestellt, dass die Bundesregierung hinter den ursprünglichen Zielen zurückgeblieben ist.

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Die IT- und Netzinfrastruktur der Bundesverwaltung soll verbessert und Kosten durch die Zusammenlegung von Rechenzentren gesenkt werden. Doch die Bundesregierung hat mittlerweile die ambitionierte Reduzierung von über 1.300 Rechenzentren aufgegeben. Das Bundesinnenministerium plant zwar bis Ende 2025 49 zentrale IT-Lösungen, aber der Zeitdruck ist enorm – nicht alle werden rechtzeitig fertiggestellt. Die veralteten Netze des Bundes erfüllen grundlegende Anforderungen nicht mehr und viele Komponenten erhalten keine Sicherheitsupdates. Das ist alarmierend, wenn man bedenkt, dass Mitarbeiter in Behörden oft Schwierigkeiten haben, Videokonferenzen abzuhalten oder mobil zu arbeiten.

Die Entwicklung der Netze zu einem Informationsverbund durch die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden (BDBOS) wird mit 1,3 Milliarden Euro veranschlagt. Und seit 2022 arbeitet die Bundesregierung an einer neuen IT-Strategie, die sich bisher vor allem auf Cloud Computing konzentriert. Doch der Bundesrechnungshof kritisiert das mangelnde Monitoring der IT-Konsolidierung seit 2015 und warnt vor einer Abhängigkeit von externen Dienstleistern im Finanzcontrolling.

Die Situation ist komplex und erfordert ein Umdenken. Es bleibt die Frage, wie die Bundesregierung die globalen Entwicklungen in der IT-Bündelung berücksichtigen will. Die Ausgaben für externe Dienstleistungen zwischen 2018 und 2022 belaufen sich auf knapp 28 Millionen Euro – eine immense Summe, die zeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Strukturen zu stärken und nicht nur auf externe Hilfe zu setzen. Es gibt viel zu tun, und der Weg zur Erreichung der Ziele der IT-Konsolidierung scheint noch weit.