Heute ist der 22.04.2026, und der Neuen Markt in Rostock ist nicht nur ein Platz der Ruhe, sondern ein Ort des Widerstands geworden. Mehr als 100 Demonstranten haben sich versammelt, um gegen die drohende Streichung der Straßenbahnlinie zwischen Zoo und Neuer Friedhof zu protestieren. Unter ihnen sind Mitarbeiter und Bewohner des AWO-Seniorenzentrums Stadtweide, die mit Nachdruck auf die Bedeutung dieser Verbindung hinweisen.
Die Leiterin der Betreuung im Seniorenzentrum, Andrea Bülow, betont, wie wichtig die Tram für die Mitarbeiter und die Ausflüge mit den Bewohnern ist. Besonders die Haltestelle Neuer Friedhof spielt eine zentrale Rolle für Familienbesuche von Angehörigen, die oft auf diese Verbindung angewiesen sind. Das Seniorenzentrum Stadtweide betreut momentan 109 Bewohner, deren Mobilität und Lebensqualität durch die Streichung der Tramlinie stark beeinträchtigt würden.
Petition und Vorwürfe
Steffen Rex aus Kritzmow, der die Demonstration organisiert hat, hat eine Petition mit über 3200 Unterschriften an Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger übergeben. Er zeigt sich sichtlich enttäuscht über die Reaktion der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) sowie der Verkehrssenatorin Ute Fischer-Gäde. Rex wirft letzterer vor, falsche Fahrgastzahlen zu kommunizieren, indem sie angibt, die Linie würde nur 705 Fahrgäste pro Tag befördern. In seinen Augen liegen die tatsächlichen Zahlen jedoch fast doppelt so hoch.
Die Unterstützer der Petition sind frustriert über die mangelnde Anerkennung ihrer Anliegen und die Entscheidung der RSAG, die Straßenbahnlinie aus Kostengründen und aufgrund der vermeintlich niedrigen Fahrgastzahlen durch Busse zu ersetzen. Ein weiterer schwerwiegender Punkt ist der Abriss der Rennbahnbrücke, der ab Oktober die Straßenbahnverbindung unterbrechen wird. Nach dem Neubau der Brücke soll auf dieser Strecke laut RSAG keine Bahn mehr fahren, was die Situation für viele Rostocker weiter verschärfen würde.
Ein Blick in die Zukunft
Die Debatte um die Straßenbahnlinie ist nicht nur ein lokales Problem, sondern steht auch im Kontext der allgemeinen Verkehrspolitik in Rostock. Viele Bürger fragen sich, wie nachhaltig und zukunftsfähig die Entscheidungen der Stadtverwaltung sind. Die Verlagerung von Straßenbahnen auf Busse könnte kurzfristige Einsparungen bringen, stellt jedoch langfristig die Frage nach der Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs und der Mobilität älterer Menschen.
Die Demonstration heute ist ein eindringlicher Appell an die Verantwortlichen, die Bedürfnisse der Bürger ernst zu nehmen und Lösungen zu finden, die alle Altersgruppen berücksichtigen. Der öffentliche Nahverkehr sollte nicht nur ein Transportmittel sein, sondern ein Lebensweg, der Menschen verbindet und Gemeinschaften stärkt.