Heute ist der 28.04.2026 und in Rostock beginnt ein Prozess, der die Öffentlichkeit bewegt. Der erste Prozesstag im Fall Fabian endete nach nur 17 Minuten. Am kommenden Donnerstag wird es weitergehen, wenn die Eltern von Fabian, insbesondere seine Mutter Dorina L., im Zentrum der Vernehmung stehen. Während des ersten Verhandlungstags beobachtete sie die Angeklagte, Gina H., mit gefalteten Händen, in einem Moment, der die angespannte Stimmung im Gerichtssaal widerspiegelte.
Gina H. meidet den Blickkontakt und schaut entweder nach unten oder zum Richter, während die Anklage verlesen wird. Diese dauert nur wenige Minuten, doch die Schwere der Vorwürfe ist erdrückend. Gina H. und ihr Rechtsanwalt gaben an, keine Angaben zur Sache machen zu wollen. Ein Motiv wird von der Staatsanwaltschaft erstmals genannt: Gina H. wollte einen Streit mit Fabians Vater, ihrem Ex-Partner, ausräumen.
Der Tathergang
Am 10. Oktober holte Gina H. Fabian in Güstrow ab und schaltete ihr Handy bewusst aus. Die Fahrt führte sie nach Klein Upahl zu einem Tümpel, wo das Unfassbare geschah. Dort stach sie mit einem Messer, dessen Klingenlänge mindestens 10 cm betrug, mindestens sechsmal auf Fabians Brust und Oberkörper ein. Fabian starb zwischen 10.50 und 13 Uhr, zwei Stiche trafen ihn direkt ins Herz. Nach der grausamen Tat reaktivierte sie ihr Handy und traf sich mit einem Bekannten, bevor sie zum Tümpel zurückkehrte, um Fabians Leiche mit Grillanzünder zu überschütten und sie in Brand zu setzen.
Die Anklage führt zu dem Vorwurf, dass die Trennung von Fabians Vater aufgrund einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und Gina H. erfolgte. Die beiden waren bis August 2025 vier Jahre lang zusammen. Im Gerichtssaal trug Gina H. Fußfesseln, die ihr zu Beginn abgenommen wurden. Sie bestätigte ihre Personalien, sprach jedoch so leise, dass der Richter sie aufforderte, lauter zu sprechen. In diesem angespannten Moment saß sie direkt gegenüber von Fabians Mutter, umgeben von ihren Rechtsanwälten.
Psychische Gewalt in Beziehungen
Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die dunklen Seiten von Beziehungen und die oft übersehene psychische Gewalt. Laut einer Studie erfahren über 80 Prozent der Menschen, die Gewalt in Partnerschaften erleben, Frauen. Jährlich werden in Deutschland mehr als 167.000 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Psychische Gewalt, die oft nicht als solche wahrgenommen wird, kann schwerwiegende Auswirkungen haben. Emotionale Schmerzen, Schlaflosigkeit und Angststörungen sind nur einige der Folgen.
Psychische Gewalt zeigt sich häufig in Methoden wie Mobbing oder Gaslighting und geht oft mit anderen Formen der Gewalt einher. Knapp jede zweite Person in Deutschland hat in einer Beziehung psychische Gewalt erfahren. Die Anzeichen sind ständige Kritik, Schuldgefühle und übermäßige Kontrolle. Isolation und soziale Kontrolle sind gefährliche Techniken, die in solchen Beziehungen vorkommen. Es ist wichtig, Aufklärung und Sensibilisierung zu betreiben, um diese Form der Gewalt zu erkennen und zu bekämpfen.
Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr erreichbar (Tel. 116 016) und bietet Unterstützung für Betroffene. Freunde und Familie spielen eine entscheidende Rolle, um den Opfern Rückhalt zu geben. In Anbetracht dieser Aspekte wird deutlich, dass der Prozess gegen Gina H. nicht nur eine juristische Auseinandersetzung ist, sondern auch ein gesellschaftliches Problem ans Licht bringt, das viele betrifft.