In Mecklenburg-Vorpommern wird um Hilfe gebeten: Die Deutsche Wildtier Stiftung sucht Unterstützung für den Schutz der Wiesenweihe, einem stark gefährdeten Greifvogel. Dieser besondere Vogel brütet vorwiegend in Getreidefeldern, wo er in den letzten Jahren stark an Brutpaaren verloren hat. Von einst 30 bis 40 Brutpaaren im Jahr 2000 sind heute nur noch zehn Paare in der Region übrig geblieben. Ein alarmierender Rückgang, der nicht nur die Wiesenweihe selbst betrifft, sondern auch die gesamte Artenvielfalt in der Landwirtschaft.
Die Wiesenweihe kehrt normalerweise Anfang Mai aus ihren Winterquartieren zurück, wobei viele von ihnen in der Zeit von Juli bis September noch nicht flügge sind. Unglücklicherweise fallen sie oft den Erntemaschinen zum Opfer, die in dieser Zeit die Getreidefelder bearbeiten. Ehrenamtliche Ornithologen haben die wichtige Aufgabe, nach Gelegen Ausschau zu halten und in Kooperation mit Landwirten Schutzmaßnahmen zu ergreifen. So bleibt zum Beispiel eine Getreideinsel von 50 x 50 Metern um die Nester stehen, um die jungen Vögel zu schützen.
Vögel in der Landwirtschaft
Wiesenweihen brüten nicht mehr in Wiesen und Sumpfgebieten, sondern bevorzugen dichte Getreidefelder als Nistplätze. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, wie sich die Lebensräume der Vögel im Laufe der Jahre verändert haben. Der Rückgang der Wiesenweihe ist Teil eines größeren Problems, das viele Vogelarten betrifft, die landwirtschaftliche Flächen zum Brüten nutzen. Laut dem Bundesamt für Naturschutz zeigen sich besonders dramatische Rückgänge bei Arten wie dem Kiebitz und dem Rebhuhn, die in den letzten Jahren mit Rückgängen von bis zu 66 Prozent zu kämpfen hatten.
Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung hebt die Dringlichkeit hervor, Nester aktiv zu schützen. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Ornithologen ist hierbei von großer Bedeutung. Im vergangenen Jahr konnten in geschützten Nestern sechs Küken erfolgreich schlüpfen, was zeigt, dass mit den richtigen Maßnahmen Erfolge erzielt werden können. Für das Jahr 2024 wird sogar mit zehn erfolgreich flügge gewordenen Jungvögeln gerechnet, was einen positiven Trend darstellen würde.
Ein Aufruf zur Mithilfe
Die Deutsche Wildtier Stiftung ruft die Öffentlichkeit dazu auf, Sichtungen von Wiesenweihen zu melden. Interessierte können ihre Beobachtungen an die E-Mail-Adresse Wiesenweihe@DeutscheWildtierStiftung.de senden. Jede Sichtung kann dazu beitragen, die Gelege abzusichern und die Brutpopulation zu stabilisieren. Gerade in Zeiten, in denen viele Vogelarten unter dem Rückgang ihrer Bestände leiden, ist es wichtig, gemeinsam für den Erhalt der biologischen Vielfalt einzutreten.
Insgesamt sind in Deutschland nur noch etwa 500 Brutpaare der Wiesenweihe bekannt, davon schätzungsweise weniger als 25 in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf, der nicht nur für die Wiesenweihe, sondern für viele andere Vogelarten besteht. Die Landwirtschaft muss sich stärker für den Naturschutz engagieren, um die Lebensräume der Vögel zu erhalten und die Artenvielfalt zu fördern.
Die Rückgänge bei den Brutbeständen sind alarmierend und müssen ernst genommen werden. Während einige Arten positive Entwicklungen zeigen, ist der Schutz von Greifvögeln wie der Wiesenweihe unerlässlich. Nur durch ein starkes Engagement von allen Seiten können wir die Schönheit und Vielfalt unserer heimischen Vogelwelt bewahren.