In Mecklenburg-Vorpommern ist die Natur in diesen Tagen in Aufruhr. Während die Sonne tagsüber strahlt, machen die kühlen Nächte den Bienen das Leben schwer. Die Kleingärtner, die in der Sparte „Abendruh“ in Jarmen aktiv sind, blicken besorgt auf ihre Beete. Günther Grotmann hat bereits fleißig Zwiebeln, Erdbeeren und Kohlrabi-Pflanzen gesetzt, während seine Nachbarin Anne Feldmann im Gewächshaus Gurken, Tomaten und Paprika anbaut. Doch die Bienen bleiben in ihren Stöcken, da sie konstante Temperaturen von mindestens 12 Grad Celsius benötigen, um auszufliegen. Wolfgang Pfeffer vom Eldeland-Bioimkerverein erklärt, dass die Blüten an Kirschen, Pflaumen, Äpfeln und Birnen zwar sprießen, jedoch die Bestäubung durch die Bienen ausbleibt.
Die Sorgen der Kleingärtner sind nicht unberechtigt. Die Nachtfröste und die fehlenden Bienen beeinträchtigen nicht nur die Gärten, sondern auch die Landwirtschaft insgesamt. Landwirte warten ebenfalls auf konstante Temperaturen, während der Raps blüht, doch auch hier fehlen die fleißigen Bestäuber. Die anhaltende Trockenheit ist ein weiteres Problem, denn es hat seit Tagen nicht geregnet. Günther Grotmann hat zwar Wasser in seinen Regentonnen gesammelt, hofft jedoch auf Nachschub, um die Kosten für Leitungswasser zu vermeiden. Gärtnermeister Frank Vorpahl empfiehlt, abends zu gießen, um die Pflanzen optimal zu versorgen. Trotz der Wasserressourcen in MV wird Wasser jedoch zunehmend knapper, was die Situation weiter verschärft.
Die Herausforderungen für die Bienenhaltung
Die klimatischen Bedingungen stellen nicht nur die Kleingärtner vor Herausforderungen, sondern auch die Imker in der Region. Die Klimakrise hat das Wetter extrem verändert, und die Bienenzüchter müssen sich anpassen. Laut dem Umweltbundesamt setzen sich außergewöhnlich warme Jahre fort, und seit 2015 wurden die höchsten Jahrestemperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 verzeichnet. So stellte Deutschland im Jahr 2022 mit 10,5 Grad Celsius das wärmste Jahr fest.
Die Veränderungen betreffen die Blühzeiten der Pflanzen und das Nektarangebot. Pflanzen blühen früher und gleichzeitig, was zu einem Nahrungsmangel für die Bienen führt. Trockenperioden verringern den Nektarfluss und reduzieren die Honigernte. Zudem stellt die Varroabekämpfung für Bio-Imkereien eine zunehmende Herausforderung dar. Hohe Temperaturen können die Behandlung mit organischen Säuren erschweren, während die Behandlung mit Oxalsäure bei konstanten Eilagen der Königin in milden Wintern unmöglich wird. Diese Problematik erfordert von den Imkern eine Anpassung ihrer Fütterungsstrategie und möglicherweise sogar einen Wechsel im Produktsortiment.
Ein Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit
Trotz all dieser Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen in der Bienenhaltung. Justus Mathies züchtet in Marlow die Dunkle Biene, die einige Vorteile gegenüber Neuzüchtungen aufweist. Zudem wird an der Züchtung varroaresistenter Bienen gearbeitet, mit dem Ziel, bis 2033 genetische Varroaresistenz zu erreichen. Dr. Stefan Berg bezeichnet die Honigbienen als „Überlebenskünstler“, die sich an den Klimawandel anpassen können. Die Überlebensfähigkeit der Bienenvölker hängt entscheidend davon ab, wie gut sich die Imker an die veränderten Bedingungen anpassen.
In der Stadtbibliothek wird unterdessen eine Saatguttauschbörse und ein Workshop zur ökologischen Landwirtschaft veranstaltet, um das Bewusstsein für nachhaltige Praktiken zu stärken. Auch der „Mähfreie Mai“, der vor fünf Jahren von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft ins Leben gerufen wurde, soll dazu beitragen, die Artenvielfalt zu fördern. Die Herausforderungen sind groß, doch die Hoffnung auf Regen und konstante Temperaturen bleibt, um die Situation zu verbessern.
Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist der Anstieg der Verluste unter beringten Störchen, was auf die komplexen und oft unberechenbaren Veränderungen in der Natur hinweist. Die Natur ist in Bewegung, und mit ihr die Sorgen und Hoffnungen der Menschen, die in und mit ihr leben.