Heute ist der 29.04.2026. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zeit der Störche wieder angebrochen, und die ersten Küken sind bereits geschlüpft. Doch während sich viele junge und unerfahrene Störche auf den Weg in ihre neuen Horste machen, blickt die Fachwelt mit gemischten Gefühlen auf die bevorstehende Brutzeit. Stefan Kroll, Leiter der NABU Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz MV, berichtet von besorgniserregenden Zahlen: Viele bruterfahrene Störche sind nicht aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. Besonders tragisch sind die Nachrichten aus Madrid, wo im Winter 2025/2026 mindestens 500 Störche dem Vogelgrippevirus zum Opfer fielen. Insgesamt wurden in Spanien etwa 1.000 tote Störche gesichtet, unter denen vermutet wird, dass auch Tiere aus Mecklenburg-Vorpommern waren.
In den letzten vier Jahren war ein Aufwärtstrend beim Weißstorch zu beobachten, doch 2025 dämpfte die Branche die Erwartungen. Von den 755 Horstpaaren, die 2025 in Mecklenburg-Vorpommern gezählt wurden, sind das 16 weniger als im Vorjahr. Die Zahl ist dennoch die zweithöchste der letzten zehn Jahre. Als Gründe für den Rückgang werden unter anderem menschliche Nachstellung, ungesicherte Stromleitungen und Krankheiten wie die Vogelgrippe vermutet. Viele der jungen Störche, die 2023 geschlüpft sind, finden nun in den Horsten von Kavelstorf, Doberan und Pankelow eine neue Heimat.
Hoffnung auf ein gutes Storchenjahr
Die Landesarbeitsgruppe zählt aktuell viele Küken in Mecklenburg-Vorpommern, die mittlerweile flügge geworden sind. Im Vogelpark Marlow hat der Frühling bereits seine ersten Küken hervorgebracht. Bis Mitte Mai werden weitere Störche aus ihren Wintergebieten erwartet, und die Hoffnung auf ein gutes Storchenjahr wächst. Regen spielt eine entscheidende Rolle für den Bruterfolg: Zu trockene Bedingungen könnten die Nahrungsaufnahme der Elterntiere beeinträchtigen. Glücklicherweise sind die Wiesen zurzeit feucht, was die Aussichten auf eine erfolgreiche Brutzeit steigert. Storchenschützer fordern zudem mehr Kleingewässer in der Agrarlandschaft, um die Nahrungssuche der Störche zu verbessern. Wasserschalen mit frischem Trinkwasser könnten in trockenen Phasen ebenfalls helfen.
Die Herausforderungen, mit denen die Störche konfrontiert sind, sind jedoch nicht zu unterschätzen. Die langfristigen Ursachen für den Rückgang des Bestandes sind unter anderem die industrialisierte Landwirtschaft und das Verschwinden von Nahrungsflächen. So war der Jahrgang 2025 durchwachsen: 1.197 Jungstörche schlüpften, was einen Rückgang im Vergleich zu 1.497 im Vorjahr darstellt. Der Durchschnittswert an flüggen Jungvögeln pro Horstpaar sank von 1,94 auf 1,59. In den westlichen Altkreisen war ein Zuwachs zu verzeichnen, während die mittleren Altkreise Rückgänge hatten, wobei der Altkreis Güstrow den stärksten Rückgang mit 18 Prozent erlebte.
Die Frage, ob 2026 ein gutes Storchenjahr wird, bleibt also offen. Konkrete Zahlen werden erst im November vorliegen, doch die ersten Anzeichen machen Hoffnung. Die Störche, die in den vergangenen Jahren in Mecklenburg-Vorpommern brüteten, haben sich als widerstandsfähig erwiesen, und die Schützengemeinschaften setzen alles daran, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die Rückkehr der Störche ist nicht nur ein Zeichen des Frühlings, sondern auch ein Indikator für die Gesundheit unserer Natur. Bleiben wir optimistisch und hoffen auf viele flügge Jungstörche in diesem Jahr!