In einem bewegenden Schauspiel der Natur wird ein Buckelwal, der seit Anfang März in der Ostsee umherirrt und mehrfach gestrandet ist, nun in eine mit Wasser gefüllte Barge transportiert. Die Rettungsaktion, die von Umweltminister Till Backhaus (SPD) genehmigt wurde, hat das Ziel, dem Wal eine Rückkehr in seine natürliche Umgebung zu ermöglichen. Der Transportweg führt über das Kattegat vor Dänemark, wo die Klappe der Barge geöffnet werden soll, damit der Wal ins Meer schwimmen kann. Der Wal, der am 3. März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet wurde, hat seitdem eine emotionale Reise hinter sich, die nicht nur die Helfer, sondern auch die Öffentlichkeit in den Bann gezogen hat.
Am Abend soll der Transport aus der Kirchsee nach Wismar beginnen. Cheftaucher Fred Babbel äußerte sich optimistisch über die Rettungsaktion und den Moment, als der Wal selbstständig in die Barge schwamm – ein emotionaler Augenblick, der von einem Sprecher der DLRG als „unbegreiflich und unvergesslich“ beschrieben wurde. Auch Tierärztin Kirsten Tönnies ist zuversichtlich, dass der Wal transportfähig ist, da seine Atmung und sein Herzschlag stabil sind. Dennoch gibt es Bedenken bezüglich der Lärmbelastung in der Barge, die für den Wal stressig sein könnte.
Der Transport und seine Herausforderungen
Die Vorbereitungen für den Transport sind umfangreich: Feuerwehrschläuche wurden als Gurtsystem für die Beförderung des Wals vorbereitet. Die Rettungsaktion wird als kompliziert und riskant eingestuft, sowohl für den Wal als auch für die Helfer. Unabhängige Fachleute, darunter das Deutsche Meeresmuseum, haben jedoch gewarnt, dass der Allgemeinzustand des Wals sich verschlechtert habe und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung gering seien. Tierärzte der privaten Initiative halten den Wal dennoch für transportfähig und betonen die Wichtigkeit des Versuchs.
Ein weiterer Aspekt, der die Rettungsaktion begleitet, sind die emotionalen Reaktionen der Geldgeber. Walter Gunz, einer der Unterstützer, zeigte sich erleichtert und emotional, als er von den Fortschritten der Rettungsaktion erfuhr. Die internationale Aufmerksamkeit auf das Drama um den Wal wächst, und die Helfer sind sich der Verantwortung bewusst, die sie tragen. Danny Hilse, ein umstrittener Teil des Rettungsteams, hat sich in der Vergangenheit kritisch gegenüber der Presse geäußert und sogar Morddrohungen erhalten, was die ohnehin schon angespannten Nerven der Beteiligten zusätzlich belastet.
Die Hintergründe der Strandung
Die Bewegungen des Buckelwals, die von Tiermedizinerin Kerstin Alexandra Dörnath als Zeichen von Stress und Fluchtreflexen gedeutet werden, werfen ein Licht auf die Herausforderungen, vor denen diese majestätischen Tiere stehen. Dörnath, die seit fast drei Jahrzehnten mit Wildtieren arbeitet, schließt aus, dass die Bewegungen des Wals Befreiungsversuche sind. Stattdessen leidet der Wal unter Nahrungsmangel und eventuell auch Verletzungen durch menschliche Einflüsse, wie vermüllte Meere und Schiffsschrauben, die ihm schaden könnten.
Ein Seil, das aus dem Maul des Wals hängt, könnte tiefer im Magen-Darm-Trakt stecken, was die Situation noch komplizierter macht. Dörnath hat sich sogar für eine gezielte Tötung des Wals ausgesprochen, um ihm unnötiges Leiden zu ersparen, was jedoch unter den Helfern und der Öffentlichkeit auf geteilte Meinungen stößt. Die Hoffnung auf ein glückliches Ende bleibt jedoch bestehen, und die Initiative hat die „heiße Phase“ der Rettungsaktion vor der Insel Poel begonnen, um den Wal in flaches Wasser zu heben und ihn dann in die Nordsee oder den Atlantik zu schleppen.
Die Rettungsaktion ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie vielschichtig die Probleme von Meeressäugern sind und wie wichtig es ist, die natürlichen Lebensräume zu schützen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bemühungen der Helfer und die Unterstützung der Öffentlichkeit zu einem positiven Ausgang für den Buckelwal führen werden.