Heute ist der 27.04.2026 und die Stadt Güstrow ist in Aufruhr. Der lange erwartete Prozess gegen die 30-jährige Gina H. hat begonnen. Sie steht unter dem Verdacht, den achtjährigen Fabian im Oktober 2025 ermordet zu haben. Der Prozess findet am Landgericht Rostock statt und zieht bereits jetzt große Aufmerksamkeit auf sich. Gina H. ist die Ex-Freundin von Fabians Vater und gibt sich während des Verfahrens schweigsam zu den Vorwürfen, die gegen sie erhoben werden.
Fabian verschwand am 10. Oktober 2025, und seine Mutter meldete ihn als vermisst. Vier Tage später, am 14. Oktober, wurde die Leiche des Jungen an einem Teich in der Nähe von Klein Upahl entdeckt, rund 15 Kilometer südlich von Güstrow. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Der Tatverdacht besagt, dass sie den Jungen aus der Wohnung seiner Mutter lockte und ihm mit mindestens sechs Messerstichen das Leben nahm. Nach der Tat soll sie die Leiche angezündet haben. Ein Motiv wurde von der Staatsanwaltschaft bislang nicht genannt.
Der Prozess und seine Besonderheiten
Der Prozess gegen Gina H. wird als besonders aufwendig beschrieben. Insgesamt sind 17 Verhandlungstage bis Anfang Juli 2026 angesetzt, und die digitale Akte des Falls umfasst mehrere Terabyte sowie rund 660.000 Dateien. Die Anklage selbst erstreckt sich über 60 Seiten, doch zum Auftakt sollen nur zwei DIN-A4-Seiten verlesen werden. Vor dem Gerichtsgebäude wird eine Polizei-Absperrung eingerichtet, die in dieser Form am Landgericht Rostock bislang einmalig ist. Gina H. sitzt seit dem 7. November 2025 in Untersuchungshaft und bestreitet, mit dem Mord irgendetwas zu tun zu haben.
Fabians Mutter wird als Nebenklägerin am Prozess teilnehmen, was dem Verfahren eine persönliche Note verleiht. Frauen werden in Deutschland seltener wegen Mordes verurteilt als Männer, und aktuell sind in Mecklenburg-Vorpommern nur zwei Frauen und 33 Männer wegen Mordes in Haft. Dies wirft einen Schatten auf die gesellschaftlichen Wahrnehmungen von Geschlechterrollen im Strafrecht.
Technische Aufrüstung und Medieninteresse
Für den Prozess wurde der Gerichtssaal technisch aufgerüstet, was Kosten in Höhe von rund 100.000 Euro verursacht hat. Diese Maßnahmen sind notwendig, um der Komplexität des Falls gerecht zu werden und die zahlreichen Beweismittel und Zeugenaussagen adäquat präsentieren zu können. Medienberichterstattung wird durch den Podcast „Fall Fabian – Der Prozess“ ergänzt, der über den Verlauf des Verfahrens berichten wird.
Die Tragödie um den kleinen Fabian hat die Gemeinschaft in Güstrow tief erschüttert und wirft Fragen auf, die weit über die juristischen Aspekte hinausgehen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob und wie die Justiz in diesem schrecklichen Fall Gerechtigkeit walten lässt.