Heute ist der 14.05.2026 und in Greifswald herrscht ein ganz besonderer Trubel. Kapitän Jens-Oliver Wermter hat am Donnerstagmorgen seine Seebiene, ein charmantes Peilschiff aus dem Jahr 1963, bestiegen und sich aufgemacht, um etwa 50 Schafe von Rügen zur Naturschutzinsel Vilm zu transportieren. Um kurz nach 6 Uhr ging es los, die frische Meeresbrise in der Luft, das sanfte Plätschern der Wellen – einfach herrlich! Die Schafe, die von Lauterbach auf Rügen kamen, schienen sich an Bord wohlzufühlen, während sie die Aussicht auf das Wasser und die vorbeiziehenden Küsten genießen durften.
Gegen 15 Uhr war der Kapitän dann wieder zurück in Greifswald. Es ist eine Fahrt, die er nur zweimal im Jahr unternimmt – einmal zur Insel und dann zurück. Man könnte sagen, er hat eine besondere Verbindung zu diesen Tieren und zu dieser Route. Und das, obwohl Vilm einst ein Erholungsort für die großen Herren der DDR war. Die Insel wurde 1959 für die Öffentlichkeit gesperrt, damit hochrangige Politiker, einschließlich der Honeckers, dort ungestört urlauben konnten. Ein seltsamer Kontrast, wenn man bedenkt, dass jetzt die friedlichen Schafe dort weiden.
Ein Stück Geschichte
Auf Vilm finden sich noch immer die Überreste von Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden sowie stilvollen Bauwerken, die an eine Fischersiedlung erinnern. Diese Umgebung, die heute unter dem Schutz des Naturschutzes steht, hat eine bewegte Geschichte. Sie wurde nicht nur als Ferienort genutzt, sondern diente auch als Rückzugsort für die Mächtigen der DDR. Wer hätte gedacht, dass die Schafe, die nun dort weiden, einst die Gäste von Honecker und Co. abgelöst haben? Ein bisschen Ironie ist das schon.
Die Rückfahrt der Schafe ist für den Herbst geplant – ein weiterer Schritt in der Pflege und Erhaltung der Natur, die auf Vilm so wichtig ist. Die Natur hat hier ihren eigenen Rhythmus, und die Menschen, die sich um sie kümmern, tragen dazu bei, dass sie erhalten bleibt. Diese kleinen Transporte sind also mehr als nur eine logistische Herausforderung; sie sind auch ein Zeichen für den Respekt gegenüber der Natur und ihrem Schutz.
Naturschutz im Wandel der Zeiten
Wenn man sich die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland anschaut, erkennt man, wie vielschichtig und oft auch turbulent sie war. Bereits 1935 trat das Reichsnaturschutzgesetz in Kraft, das die Grundlage für viele spätere Naturschutzgesetze bildete. Es war eine Zeit, in der die Balance zwischen Natur und Technik oft verloren ging. Alwin Seifert zum Beispiel, ein früherer Reichslandschaftsanwalt, bemühte sich, den Konflikt zwischen diesen beiden Welten zu mildern – doch es war ein steiniger Weg. Heute ist es mehr denn je wichtig, dass wir uns für den Schutz unserer Natur einsetzen, egal ob durch kleine Transporte von Schafen oder große Naturschutzprojekte.
Greifswald, mit seiner maritimen Tradition und der Nähe zur Natur, ist ein Ort, der diese Werte hochhält. Während die Schafe nun auf Vilm grasen, können wir uns an dieser kleinen Geschichte und der großen Bedeutung des Naturschutzes erfreuen. Der Wind spielt sanft in den Bäumen, und das Rauschen des Wassers erzählt von den vielen Geschichten, die hier noch zu erleben sind.