Heute ist der 9.06.2026, und während die Sonne über Greifswald aufgeht, sind die Themen Organspende und Transplantation wieder in aller Munde. Es ist eine Realität, die viele Menschen betrifft – über 8.000 Patienten in Deutschland warten auf ein neues Leben, auf ein neues Organ. Die Zahlen und Geschichten hinter diesen Warten sind oft bewegend und schockierend zugleich. Im Jahr 2025 haben wir einen kleinen Lichtblick erlebt: 985 Menschen haben nach ihrem Tod Organe gespendet – die höchste Zahl seit 2012! Ein erfreulicher Anstieg um 3,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Hinter dieser Zahl steckt jedoch auch eine tiefe Traurigkeit, denn viele Angehörige sind oft nicht bereit, das letzte Geschenk zu machen.

Carsten Bauer, ein 47-jähriger Mann, der seit seinem 17. Lebensjahr an Blutkrebs litt und mit Herzproblemen kämpfte, erhielt am 27. März 2023 ein Spenderherz. Diese Erfahrung hat ihm nicht nur ein neues Leben geschenkt, sondern auch eine Stimme gegeben. Er bezeichnet seinen unbekannten Spender als seinen „persönlichen Superhelden“. Diese Metapher bringt es auf den Punkt: Organspender sind für viele Menschen die wahren Helden, die in der dunkelsten Stunde Licht ins Leben bringen. Doch trotz dieser heroischen Taten gibt es in Deutschland noch viel zu tun, um die Zahl der Organspender zu erhöhen.

Die Widerspruchslösung im Fokus

Am Tag der Organspende fordern viele Verbände und Politiker eine Widerspruchslösung. Das klingt einfach: Jeder Erwachsene wäre potenzieller Organspender, solange er nicht ausdrücklich widerspricht. Ein Schritt, der viele als notwendig erachten. In der aktuellen Regelung, die seit 1997 besteht, ist es notwendig, vorab zuzustimmen. Aber das führt oft dazu, dass viele Menschen, die eigentlich bereit wären zu spenden, nicht genug dokumentieren. Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz bringt es auf den Punkt: „Wer schweigt, stimmt nicht automatisch zu.“ Eine klare Ansage, die zum Nachdenken anregt.

Die Widerspruchslösung wird von vielen Befürwortern als der Schlüssel gesehen, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Länder wie Kroatien, Portugal und Spanien zeigen, wie effektiv eine solche Regelung sein kann. Während Deutschland mit 11 Organspendern pro Million Einwohner kämpft, kommen in Spanien 54 Organspender pro Million zusammen. Wenn wir uns diese Zahlen anschauen, wird die Dringlichkeit des Themas deutlich. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Zahl bei 14 – was immer noch ausbaufähig ist. Dr. Sven-Olaf Kuhn von der Unimedizin Greifswald hat es treffend formuliert: Die theoretische Bereitschaft zur Organspende ist hoch, aber die Realität sieht oft anders aus.

Aufklärung ist der Schlüssel

Aufklärung ist das A und O. Eine Ausstellung der Unimedizin Greifswald soll dazu beitragen, mehr Menschen über Organspende aufzuklären. Bauer selbst fordert mehr Informationen, um Missverständnisse auszuräumen. Es ist wichtig, dass jeder seine eigene Haltung zur Organspende klar dokumentiert, sei es durch einen Organspendeausweis oder Gespräche mit den Angehörigen. Die Zahl der Organspender bleibt seit Jahren relativ konstant, und das muss sich ändern. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 3.256 Organe transplantiert – das bedeutet, dass 3.150 Patientinnen und Patienten eine bessere Lebensqualität oder sogar ein Weiterleben geschenkt wurde. Das sind doch bewegende Zahlen, die uns alle betreffen sollten.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Mit einem bundesweiten Online-Register, das 2024 gestartet wurde, können sich Menschen einfacher und unkomplizierter anmelden. Bis März 2026 haben sich über 516.000 Menschen registriert. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber immer noch ein langer Weg. Gerade in Greifswald und Mecklenburg-Vorpommern ist es wichtig, dass mehr Menschen über die Möglichkeit der Organspende nachdenken und sich aktiv damit auseinandersetzen. Vielleicht ist der nächste Schritt, dass wir alle ein bisschen mehr ins Gespräch kommen, über unsere Ängste, Hoffnungen und letztlich über die Frage, was wir für andere tun können, auch über den Tod hinaus.