In Greifswald stehen die Räder still – zumindest an der Medien- und Informatikschule der Wirtschaftsakademie Nord. Der Betrieb wird zum 31. Juli 2026 eingestellt, und das hat nicht nur Auswirkungen auf die Schule selbst, sondern auch auf die betroffenen Schüler und Mitarbeiter. Fünf Mitarbeiter und 17 angehende Gestaltungstechnische Assistenten (GTA 25) müssen sich auf eine ungewisse Zukunft einstellen. Wie kann es so weit kommen? Die Gründe sind vielschichtig und bitter: Ein dramatischer Rückgang der Bewerberzahlen, unvorhergesehene personelle Engpässe – Stichwort Langzeiterkrankungen – und eine Refinanzierung, die bei weitem nicht mehr ausreicht, um die Ausbildungskosten zu decken. Als wäre das nicht genug, würden die monatlichen Schulgeldbeträge massiv ansteigen, was als unzumutbar empfunden wird.
Die Schülervertreterin Lena Ina Scheveling ist sichtlich getroffen. „Wir fühlen uns hintergangen“, äußert sie, und viele Mitschüler berichten von organisatorischen Hürden beim Wechsel zu anderen Bildungseinrichtungen. Rostock, Schwerin oder Babelsberg – wo soll man hin? Die Unsicherheiten über die Anerkennung des ersten Ausbildungsjahres, mögliche Wiederholungen und Unterschiede in den Lehrplänen machen die Situation nicht einfacher. Zudem bleibt die Frage, ob die Fachhochschulreife tatsächlich erlangt werden kann. „Das ist schon alles sehr frustrierend“, sagt ein betroffener Schüler, während der Wind durch die Straßen von Greifswald weht.
Eine schwierige Entscheidung
Die Wirtschaftsakademie Nord betont, dass sie in engem Kontakt mit den betroffenen Schülern und ihren Familien steht, um mögliche Anschlusslösungen zu finden. Kooperationen mit Schulen in Rostock und Schwerin sowie der Medienschule Babelsberg sollen den Schülern helfen, ihre Ausbildungen fortzusetzen. Zudem bietet die Akademie psychologische Begleitung an, um den emotionalen Druck etwas zu mildern. „Wir bedauern die Situation sehr, aber unter den gegebenen Umständen können wir die Ausbildungsqualität nicht mehr gewährleisten“, so ein Vertreter der Akademie.
Es ist schon ein trauriges Bild, das sich hier abzeichnet. Aber es ist nicht nur ein lokales Phänomen. Laut dem Statistischen Bundesamt steigt die Zahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss kontinuierlich an. Im Schuljahr 2023/2024 sind es rund 62.000 – der höchste Stand seit einem Jahrzehnt. Die Abbrecherquote hat sich von 5,5% im Schuljahr 2013/2014 auf 7,8% erhöht. Gründe dafür sind vielfältig: Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, ein Gefühl der Nichtzugehörigkeit und mangelnde Motivation, weil es oft einfachere, unqualifizierte Arbeitsmöglichkeiten gibt. Ein Teufelskreis, der viele junge Menschen in eine ungewisse Zukunft führt.
Ein Blick nach vorn
Was bleibt, sind die Fragen, die nun im Raum stehen: Wie geht es weiter für die Schüler der Medien- und Informatikschule? Werden sie die Chance bekommen, ihre Ausbildung an einer anderen Schule fortzusetzen? Und was passiert mit den Lehrern, die sich um ihre Schüler gesorgt haben? Einvernehmliche Lösungen wurden für die Mitarbeitenden gefunden, doch der Verlust der Schule ist für alle Beteiligten ein harter Schlag.
In Greifswald, in dieser kleinen Stadt, wo Bildung und Zukunft auf dem Spiel stehen, bleibt die Hoffnung, dass die Betroffenen einen Weg finden, um ihre Träume weiterzuverfolgen. Die Zeit wird zeigen, ob es gelingen kann, die Schüler aufzufangen und ihnen eine Perspektive zu bieten. Bis dahin bleibt das Gefühl der Unsicherheit, das wie ein Schatten über den Straßen von Greifswald schwebt.