Die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in ländlichen Regionen steht vor großen Herausforderungen. Ein Beispiel dafür ist das AMEOS Hanse Klinikum in Anklam, das über eine Pädiatrie und eine Station für Geburtshilfe verfügt. In den letzten zehn Jahren wurden hier über 8.000 Kinder und Jugendliche behandelt, und jährlich versorgen die Kinderärzte rund 350 Neugeborene. Katja Loesche, Regionalgeschäftsführerin der AMEOS Region Nord, hebt hervor, dass die wirtschaftlich angespannte Lage der Krankenhäuser in Deutschland ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung die Aufrechterhaltung der Pädiatrie gefährden könnte.

Die Klinikgruppe bekennt sich jedoch klar zum Standort Anklam, denn die Abteilung ist für die Versorgung in Vorpommern unverzichtbar. Um die medizinische Situation langfristig zu sichern, setzt man auf eine engere Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung. Ein neuer Schritt in diese Richtung wurde im März 2026 bekannt gegeben: In Zusammenarbeit mit dem Poliklinikum wurde das Angebot in Anklam erweitert, und es gibt nun eine eigene ambulante Sprechstunde für Kinder. Dieses Modell soll die Kinder- und Jugendmedizin unter den Bedingungen der aktuellen Gesundheitsreform stabilisieren.

Die Herausforderungen in ländlichen Gebieten

In ländlichen Regionen wie Vorpommern ist die medizinische und pflegerische Versorgung ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge. Die Bevölkerung erwartet qualitativ hochwertige Gesundheitsdienstleistungen, unabhängig vom Wohnort. Doch die Realität sieht oft anders aus: In ländlichen Gebieten gibt es weniger Gesundheitsversorgungseinrichtungen als in städtischen Gebieten, was durch die geringe Bevölkerungsdichte verschärft wird. Lange Anfahrtswege zu den nächsten Ärzten sind häufig die Folge, und spezialisierte Versorgungsleistungen sind oft nicht oder nur begrenzt verfügbar.

Die Situation ist besonders kritisch für Kinderärzte und pädiatrische Krankenhausabteilungen, die in ländlichen Regionen oft wirtschaftlich nicht tragbar sind. In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 10.500 Kinder und Jugendliche mehr als 20 Kilometer vom nächsten Kinderarzt entfernt. Dies hat zur Folge, dass Kinder in großer Entfernung seltener zum Arzt gehen und oft der Hausarzt die erste Anlaufstelle ist. Innovative Versorgungsmodelle sind notwendig, um die medizinische und pflegerische Versorgung in diesen Gebieten zu verbessern.

Innovative Ansätze zur Verbesserung der Versorgung

Um die Herausforderungen in der ländlichen Gesundheitsversorgung zu meistern, sind kreative und innovative Ansätze gefragt. Kooperationen zwischen Gesundheitsberufen, telemedizinische Angebote und mobile Gesundheitsdienstleister könnten dazu beitragen, die Versorgungslücken zu schließen. Auch die ambulante Versorgung erfolgt hauptsächlich durch Haus- und Fachärzte, Psychotherapeuten, ambulante Pflegedienste und Apotheken. Die Planung der medizinischen Versorgung sollte daher in die allgemeine Daseinsvorsorgeplanung integriert werden, um eine bessere Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Gesundheitsdienstleistungen zu gewährleisten.

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Die Erreichbarkeit von Krankenhäusern ist für die Grund- und Regelversorgung von entscheidender Bedeutung. Allerdings gibt es keine klare Definition für „angemessene Zeit“, was bedeutet, dass viele ländliche Einrichtungen vor der Herausforderung stehen, ihre Abteilungen aufrechtzuerhalten. Ein Beispiel ist das Kreiskrankenhaus Wolgast, das 2016 die Abteilungen für Geburtshilfe und Pädiatrie aufgrund zu geringer Fallzahlen schließen musste. Solche Entscheidungen zeigen den Zielkonflikt zwischen Kosteneffizienz und der Erreichbarkeit medizinischer Leistungen auf.

In Anklam wird jedoch mit dem neuen ambulanten Angebot ein Schritt in die richtige Richtung unternommen, um die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche in der Region zu sichern. Der Standort Anklam bleibt somit ein unverzichtbarer Teil der Gesundheitslandschaft in Vorpommern, und es bleibt zu hoffen, dass weitere innovative Konzepte entwickelt werden, um die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten nachhaltig zu verbessern.