Schwerin, das Herz von Mecklenburg-Vorpommern, hat am vergangenen Wochenende wieder einmal bewiesen, dass es ein Ort voller kultureller Höhepunkte ist. Das 35. Filmkunstfest ging am Sonntag zu Ende und hinterließ viele bewegte Gesichter und wohlige Erinnerungen. Ein ganz besonderer Moment war die Verleihung des Ehrenpreises „Goldener Ochse“ an den großartigen Armin Mueller-Stahl. Im Filmtheater Capitol fand die Zeremonie statt – ein perfekter Rahmen für einen solchen Anlass.
Armin Mueller-Stahl, ein Name, der in der Filmwelt für sich spricht, nahm den Preis mit einer Dankesrede entgegen, die das Publikum in den Bann zog. Laudator Björn Engholm, der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, würdigte nicht nur Mueller-Stahls schauspielerisches Talent, sondern auch sein Lebenswerk, das ihn von den DEFA-Filmen in der DDR bis nach Hollywood führte. Es war ein bewegender Moment, als Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihm die Trophäe überreichte und seine Verdienste für die deutsche Filmkultur hervorhob. „Der Goldene Ochse kommt zur rechten Zeit“, betonte Mueller-Stahl, sichtlich gerührt und stolz.
Eine beeindruckende Karriere
Mit 95 Jahren blickt Mueller-Stahl auf eine bemerkenswerte Karriere zurück. Bereits 1956 stand er in einem Film vor der Kamera, der am Strand von Ahrenshoop gedreht wurde. In der DDR war er ein fester Bestandteil der DEFA-Filmlandschaft und setzte sich mutig für Wolf Biermann ein, was ihm einen Karriereknick einbrachte. Der Umzug in den Westen 1980 war für ihn der Beginn eines neuen Kapitels, das ihn schließlich nach Hollywood führte, wo er für seine Rolle in „Shine“ eine Oscar-Nominierung erhielt. Doch trotz des internationalen Ruhms kehrte er immer wieder zu deutschen Produktionen zurück, wie etwa in „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“.
Seine Vielseitigkeit zeigt sich nicht nur in der Schauspielerei. Armin Mueller-Stahl ist auch als Musiker aktiv – als ausgebildeter Konzertgeiger bringt er seine Leidenschaft für die Musik in zwei Ausstellungen in Schwerin zum Ausdruck, die bis Ende Mai zu sehen sind. Seine künstlerische Ader fließt in jedes seiner Projekte ein und macht ihn zu einem echten Multitalent.
Ein Festival voller Erfolge
Das Filmkunstfest verzeichnete in diesem Jahr eine positive Bilanz mit rund 18.000 Besuchern. Diese Zahl ist ein erfreuliches Zeichen, denn sie gleicht den Besucherzahlen aus der Zeit vor der Corona-Pandemie an. Festivalleiter Volker Kufahl konnte stolz auf viele ausverkaufte Veranstaltungen zurückblicken, insbesondere bei den DEFA-Filmen mit Mueller-Stahl. Die Atmosphäre war durchweg festlich, und die Zuschauer wurden mit 118 Filmen verwöhnt, darunter 16 Welt- und 18 Deutschlandpremieren. Gastland Island brachte einen Hauch nordischer Frische in das Festival.
Besonders spannend war die Uraufführung eines Doku-Films über Egon Krenz, der in der Vergangenheit für viel Kontroversen sorgte. Der Hauptpreis „Fliegender Ochse“ ging an den Film „Our Girls“ von Mike van Diem, der die Geschichten von zwei befreundeten Paaren erzählt, die in den österreichischen Alpen Urlaub machen – und dabei mit alten Konflikten konfrontiert werden. Ein weiterer Höhepunkt war die Vergabe des NDR-Regiepreises an Abu Bakr Shawky für seinen Film „The Stories“.
So hat das Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern nicht nur Armin Mueller-Stahl gefeiert, sondern auch eine Plattform für neue Talente und Geschichten geschaffen. Die vielen Emotionen und die Begeisterung der Zuschauer zeigen, wie wichtig solche kulturellen Veranstaltungen für unsere Gesellschaft sind. Es bleibt zu hoffen, dass diese Tradition fortgeführt wird – und dass wir auch künftig solche schönen Momente in Schwerin erleben dürfen.