Der Mount Everest, der höchste Gipfel der Welt, hat viele Gesichter – von atemberaubender Schönheit bis hin zu einem besorgniserregenden Anblick. Camp IV, das höchste Basislager auf 7.925 Metern, ist mittlerweile ein trauriges Symbol für die Schattenseite der Bergsteigerei. Wo einst die Natur in ihrer reinsten Form herrschte, liegen jetzt zerrissene Zelte, leere Sauerstoffflaschen und menschliche Exkremente herum. Die Vermüllung wird vor allem als Folge der Kommerzialisierung des Everest betrachtet. Immer mehr Bergsteiger drängen auf den Gipfel, und das hat seine Konsequenzen.

Am 20. Mai 2023 erklommen 274 Bergsteiger an einem einzigen Tag den Everest – ein Rekord, der die Tourismusbehörde Nepals mit Stolz erfüllt, aber auch zu einer alarmierenden Zunahme von Abfall und unkontrolliertem Müll führte. Die Regierung hat die Gebühr für eine Besteigung von 11.000 auf 15.000 Dollar erhöht, in der Hoffnung, die Anzahl der Kletterer zu regulieren. Doch trotz dieser Erhöhung wurden im Jahr 2023 rund 500 Lizenzen verkauft – die höchste Zahl bisher. Der Anstieg ist nicht nur auf die steigende Beliebtheit des Gipfels zurückzuführen, sondern auch auf die Sperrung des Zugangs von Tibet durch China.

Die Herausforderung der Müllbeseitigung

Die Situation in der Todeszone, oberhalb von 8.000 Metern, ist besonders kritisch. Experten empfehlen, dort nicht länger als 20 Stunden zu verweilen – ein kaum zu bewältigendes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass der Sauerstoffgehalt der Luft dramatisch sinkt. Die Bergsteiger produzieren im Durchschnitt 8 bis 12 Kilo Abfall pro Kopf, und das vor allem in den oberen Regionen des Berges. Viele lassen ihren Müll einfach zurück, da das Leben in dieser Höhe extrem herausfordernd ist. Ein Pfandsystem wurde eingeführt, bei dem Bergsteiger 4.000 Dollar hinterlegen müssen, um sicherzustellen, dass sie ihren Müll mit nach unten bringen. Doch Berichte zeigen, dass viele nur im unteren Bereich Müll sammeln und der Abfall im oberen Bereich kontinuierlich zunimmt.

In diesem Jahr haben Sherpas und nepalesische Soldaten bereits elf Tonnen Müll vom Berg entfernt. Darunter waren alte Zelte, Lebensmittelverpackungen und sogar gefrorene Leichen – eine schockierende Realität für jeden, der denkt, die Berge seien nur ein Ort der Abenteuerlust. Ang Babu Sherpa, ein erfahrener Sherpa, leitet ein Team, das sich der Müllbeseitigung widmet. Er schätzt, dass sich noch 40 bis 50 Tonnen Müll am South Col befinden. Die Bergung gestaltet sich als äußerst schwierig, da der Müll aus dem Eis herausgebrochen werden muss.

Ein wachsendes Umweltbewusstsein

Trotz der drängenden Probleme gibt es einen Lichtblick: Ein gewachsenes Umweltbewusstsein unter den Bergsteigern führt zu einem Anstieg des gesammelten Mülls. Auch die nepalesische Regierung hat einen neuen Fünf-Jahres-Aktionsplan zur Müllbeseitigung vorgestellt, der eine feste Einzahlung in einen Fonds vorsieht. Experten äußern jedoch Skepsis, ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Müll in der Todeszone nachhaltig zu reduzieren.

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Mit jeder Bergsaison wird die Herausforderung größer, und die Verantwortung, die Natur zu schützen, liegt nicht nur bei den Behörden, sondern auch bei jedem einzelnen Bergsteiger. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, während sich die Menschen weiterhin in die Höhen des Everest wagen – in der Hoffnung, die majestätische Aussicht zu genießen, ohne die Erde dabei weiter zu belasten.