In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 haben in Hamburg tragischerweise insgesamt 27 obdachlose Menschen im öffentlichen Raum ihr Leben verloren. Diese alarmierende Zahl verdeutlicht die drängenden Herausforderungen, mit denen die Stadt konfrontiert ist. Die Sozialbehörde hat seit März 2026 die Erfassung der Todesfälle von Obdachlosen neu organisiert, um eine möglichst präzise Erfassung zu gewährleisten und unterschiedliche Zahlen zu vermeiden. Für den Monat März wurden zwei obdachliche Todesfälle im Freien registriert, konkret auf der Straße, in einem Park oder in Hauseingängen.
Die Sozialbehörde schränkt jedoch die Erfassung auf Todesfälle im öffentlichen Raum ein und gibt keine Statistiken zu Todesfällen in Krankenhäusern oder im Winternotprogramm an, da diese auf freiwilligen Angaben basieren und nicht vollständig sind. Diese neue Zählweise hat bereits Kritik hervorgerufen. Jörn Sturm, Geschäftsführer des Straßenmagazins „Hinz und Kunzt“, macht auf die gesundheitlichen Risiken aufmerksam, die obdachlose Menschen tagtäglich ausgesetzt sind. Auch Annika Woydack, Chefin der Diakonie, hebt die extremen gesundheitlichen Risiken hervor und betont die Notwendigkeit, diese Herausforderungen stärker in den Fokus zu rücken.
Gesundheitliche Herausforderungen der Obdachlosen
Die Sozialbehörde plant, in den Wintermonaten monatlich und in den übrigen Monaten quartalsweise über die Todesfälle obdachloser Menschen zu berichten. In Hamburg leben aktuell fast 4.000 Menschen ohne festen Wohnsitz. Die Zahlen variieren stark; während die Sozialbehörde von 13 Todesfällen im Januar spricht, meldet die Polizei sogar 18. Dies verdeutlicht nicht nur die Problematik der Datenerfassung, sondern auch die Dringlichkeit, Lösungen zu finden.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Gesundheit der obdachlosen Menschen in Hamburg. Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer hat sich kürzlich zur Gesundheitsbefragung unter obdachlosen Menschen geäußert, die 300 Fragebögen umfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass 26% der Befragten ihre Gesundheit als „gut“ oder „sehr gut“ einschätzen, während mehr als 50% ihre Gesundheit als „weniger gut“ oder „schlecht“ bewerten – ein besorgniserregender Anstieg im Vergleich zu früheren Erhebungen. Zudem berichten 41% von psychischen oder Suchterkrankungen und 16% von körperlichen Erkrankungen. Die Herausforderung, Zugang zur medizinischen Versorgung zu erhalten, ist für viele obdachlose Menschen enorm; 72% der deutschen Befragten haben eine Krankenversicherung, jedoch nur 42% der nichtdeutschen.
Die Notwendigkeit von spezialisierten Hilfen
Ein großer Teil der obdachlosen Menschen in Hamburg sind EU-Zugewanderte ohne sozialrechtliche Ansprüche. Die Sozialbehörde plant daher Maßnahmen zur Stärkung und Vernetzung sozialer und gesundheitlicher Hilfen. Im September 2025 wurden Übergangsplätze für suchtkranke obdachlose Menschen eröffnet, und bis zum Winter 2025/26 wird eine psychiatrische Schwerpunktambulanz in der Repsoldstraße 27 eingerichtet. Diese Initiativen sind wichtig, um den Bedürfnissen obdachloser Menschen besser gerecht zu werden.
Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat zudem ergeben, dass obdach- und wohnungslose Menschen häufiger unter psychischen und körperlichen Krankheiten leiden als die Allgemeinbevölkerung. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Probanden sich ihrer Erkrankungen nicht bewusst sind, was auf eine hohe Unterdiagnostik hinweist. Zudem ist der Zugang zu Ärzten für obdachlose Menschen stark eingeschränkt, insbesondere für EU-Migranten.
Julien Peters von der „Straßenvisite“ in Hamburg berichtet von einem extrem hohen Bedarf an psychiatrischer Versorgung für obdachlose Menschen. Trotz theoretisch vorhandener Krankenversicherung nehmen obdachlose Menschen nicht häufiger Krankenhausleistungen in Anspruch, was oft auf Stigmatisierung, Diskriminierung und bürokratische Hürden zurückzuführen ist. Es wird deutlich, dass spezialisierte Wohneinrichtungen notwendig sind, um den Bedürfnissen dieser vulnerable Gruppe gerecht zu werden.
Insgesamt zeigt sich, dass die Herausforderungen, vor denen obdachlose Menschen in Hamburg stehen, vielfältig und komplex sind. Der Zugang zu medizinischer Versorgung und sozialer Unterstützung muss dringend verbessert werden, um die Lebenssituation dieser Menschen nachhaltig zu verbessern.