Heute ist der 1. Juni 2026, und die Hamburger haben entschieden. Am vergangenen Sonntag fand das Olympia-Referendum statt, und die Wählerinnen und Wähler stimmten klar gegen die Bewerbung ihrer Stadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele. Mit 54,9 % der Stimmen (357.911 Stimmen) gegen eine Bewerbung und 45,1 % (293.819 Stimmen) dafür ist das Ergebnis deutlich. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,6 % – also fast die Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung von über 1,3 Millionen Hamburgern ab 16 Jahren hat sich an diesem demokratischen Prozess beteiligt.
Ein komisches Gefühl schwebte in der Luft, als die Abstimmung näher rückte. Viele Hamburger hatten sich in den Tagen zuvor intensiv mit dem Thema beschäftigt. Am 27. Mai, nur vier Tage vor der Abstimmung, entschieden sich etwa 474.000 Bürgerinnen und Bürger für die Briefabstimmung. Das Niveau der Beteiligung war vergleichbar mit dem Olympia-Referendum von 2015, als 51,6 % gegen die Bewerbung votierten. Ein echter Trend, könnte man sagen, der sich da andeutet.
Ein Zeichen der Ablehnung
Die Entscheidung, die Bewerbung zurückzuziehen, wurde von vielen als ein Zeichen gegen „unglaubwürdige Versprechungen“ und überambitionierte Leuchtturmprojekte gewertet. Eckart Maudrich von der Initiative „NOlympia“ freute sich über das Ergebnis und sah darin einen klaren Ausdruck des Volkswillens. Erster Bürgermeister Peter Tschentscher bedauerte die Entscheidung, akzeptierte sie aber mit einem gewissen Respekt vor dem demokratischen Prozess. Das ist irgendwie tröstlich – das Gefühl, dass die Stimme der Bürger zählt.
Steffen Rülke, der Bewerbungschef, äußerte sich ebenfalls. „Im Sport muss man auch in Würde verlieren“, erklärte er und fügte hinzu, dass die Stadt nun im Wettbewerb um Bundesgelder möglicherweise benachteiligt sein könnte, was Norbert Aust von der Handelskammer ebenfalls bestätigte. Das Thema Olympia wird Hamburg also noch eine Weile beschäftigen, auch wenn die Bewerbung nun Geschichte ist. In anderen Städten wie Berlin, München und im Ruhrgebiet geht die Suche nach dem Olympischen Traum weiter, doch Hamburg bleibt draußen.
Der Prozess der Abstimmung
Am Abstimmungstag selbst öffneten 178 Abstimmungsstellen von 8:00 bis 18:00 Uhr ihre Türen. Wählerinnen und Wähler konnten unabhängig vom Wohnort ihre Stimme abgeben, was das Ganze recht unkompliziert machte. Wer an diesem Tag plötzlich krank wurde, konnte seine Unterlagen von Freunden oder Nachbarn abgeben lassen – eine kleine Geste der Nachbarschaftshilfe, die zeigt, wie wichtig das Mitmachen ist. Am Ende zählten etwa 6.000 Ehrenamtliche die Stimmzettel aus, und die ersten Ergebnisse wurden gegen 18:30 Uhr auf der Website des Statistikamts Nord veröffentlicht.
Die Abstimmungsfrage selbst war klar formuliert: „Ich bin dafür, dass sich der Deutsche Olympische Sportbund mit der Freien und Hansestadt Hamburg als Austragungsort um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 bewirbt.“ Doch die Mehrheit der Hamburger sah das anders. In jedem Bezirk gab es eine Mehrheit gegen die Bewerbung, am stärksten in Hamburg-Mitte und Harburg.
Ein Blick in die Zukunft
Die Hamburger Entscheidung könnte weitreichende Folgen haben. Am 26. September wird der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bekannt geben, welche Stadt oder Region im Rennen bleibt. Für Hamburg jedoch ist das Kapitel Olympia vorerst geschlossen. Kiel hingegen hat sich als Segelstandort positioniert und erhielt in einem Bürgerentscheid am 19. April 2026 eine klare Zustimmung von 63,5 %. Die maritime Stadt scheint also bereit, die Segel zu setzen, während Hamburg einen anderen Kurs einschlägt.