In Hamburg ist es entschieden worden – zum zweiten Mal in nur wenigen Jahren haben die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt klar und deutlich „Nein“ zu einer Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele gesagt. Am Sonntag, dem 29. Mai 2026, haben 54,9 Prozent der Wähler gegen die Pläne des Senats gestimmt. Bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent wurden insgesamt 652.193 Stimmen abgegeben. Das ist kein kleines Stimmchen, sondern ein deutliches Votum, das die Entscheidungsträger in Hamburg nicht ignorieren können.
Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat das Votum der Bürger sofort anerkannt und angekündigt, die Bewerbung zurückzuziehen. „Die Bürger haben entschieden“, so Tschentscher, der damit die Stimme der Hamburger als verbindlich ansieht. Fegebank, die zweite Bürgermeisterin und Teil der Grünen, hat ihre Enttäuschung über das Ergebnis geäußert, während Heike Sudmann von der Linken das Ergebnis als stark und positiv für die Stadt bezeichnete. Die Diskussion um die Olympiabewerbung war von Anfang an ein heißes Eisen.
Ein gescheiterter Traum
Bereits 2015 scheiterte Hamburg in einem ähnlichen Referendum, als eine knappe Mehrheit gegen die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 stimmte. Auch diesmal war die Stimmungslage vor der Abstimmung unklar. Es gab keine eindeutigen Umfrageergebnisse, die eine Tendenz hätten zeigen können. Olympia-Gegner und -Befürworter mobilisierten eifrig, Plakate und elektronische Anzeigetafeln im öffentlichen Nahverkehr warben um Stimmen. Doch am Ende setzte sich der Widerstand durch, und das Ergebnis fiel eindeutig aus: In keinem der sieben Hamburger Bezirke gab es eine Mehrheit für die Befürworter der Bewerbung.
Die CDU sieht in dem Ergebnis eine verlorene Jahrhundertchance. Ihr Landeschef Dennis Thering fordert ein gemeinsames Vorgehen für die Zukunft. Im Gegensatz dazu forderte AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann den Rücktritt von Tschentscher, was die politische Debatte nur weiter anheizt. Während sich einige Politiker über die Entscheidung ärgern, sehen andere sie als Chance, die Stadtentwicklung ohne das große Olympia-Geschäft voranzutreiben.
Die Olympischen Spiele und Hamburgs Zukunft
Die Diskussion um die Olympiabewerbung in Hamburg war nie wirklich unumstritten. Ein breites Bündnis aus Politik, Sport, Wirtschaft und Kultur hatte die Initiative unterstützt. Doch es gab auch massive Kritik, insbesondere an den Versprechungen des Senats und dem Finanzkonzept – viele Bürger fühlten sich nicht ausreichend informiert oder gar überrumpelt. Eckart Maudrich von der Initiative „NOlympia“ sieht das Ergebnis als Zeichen für Fair Play und Teamgeist, während andere Stimmen die arrogant geführte Kampagne des Senats anprangern.
Nun wird die Stadt ohne Olympische Spiele weitergehen müssen. Die Pläne für Stadtentwicklungsprojekte werden ohne die Unterstützung des großen Events vorangetrieben. Die Entscheidung hat auch Konsequenzen für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der am 26. September über den nationalen Kandidaten für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 entscheidet. Verbleibende Bewerber sind München, Berlin und die Rhein-Ruhr-Region, die in der Bevölkerung deutlich mehr Zustimmung fanden.
Was bleibt, ist die Frage, wie Hamburg seine Zukunft gestalten möchte – ohne die Glitzerwelt der Olympischen Spiele, dafür aber mit der Stimme der Bürger, die sich klar und deutlich für eine andere Richtung entschieden haben. Die Hamburger haben gesprochen, und die Stadt wird sich nun nach ihren Bedürfnissen neu orientieren müssen.