Heute ist der 5.06.2026 und wir schauen zurück auf einen Vorfall, der die Gemüter in Altona und weit darüber hinaus erhitzt hat. Es war Ende März, als eine Frau in der Großen Bergstraße in Altona von einem Wolf gebissen wurde. Dieser Angriff war nicht nur ein schockierendes Ereignis, sondern auch der erste dokumentierte Übergriff eines Wolfs auf einen Menschen in Deutschland seit der Wiederansiedlung im Jahr 1998. Ein echtes Novum – und das in einem Stadtteil, in dem man eher an andere Überraschungen denkt.
Die Umweltbehörde Hamburg hat mittlerweile die Vermutung geäußert, dass der Wolf, der für den Biss verantwortlich war, vermutlich tot ist. Fachleute spekulieren, dass er erschossen und der Peilsender, mit dem er ausgestattet war, zerstört wurde. Ziemlich düstere Gedanken, wenn man bedenkt, dass der Wolf nach dem Vorfall in eine Wildtierauffangstation in Niedersachsen gebracht wurde. Dort wurde er dann am Ostersonntag mit einem GPS-Sender ausgestattet und sollte in der Lüneburger Heide wieder freigelassen werden. Bis Ende Mai gab es noch Daten vom Sender, doch dann brach der Kontakt abrupt ab. Ein Defekt des Senders oder der Verlust des Halsbands scheinen unwahrscheinlich. Bei einer Suchaktion konnte weder der Wolf noch das Halsband gefunden werden.
Ein Wolf in der Stadt
Wie kam es überhaupt zu diesem Vorfall? Der Wolf war zuvor in eine Einkaufspassage geraten und hatte sich dort offenbar nicht wohl gefühlt. Passanten hatten ihn an der Binnenalster beobachtet, wo er von der Polizei mit einer Schlinge aus dem Wasser gezogen wurde – ein Bild für die Götter! Nach dem Biss rannte der Wolf in Richtung Innenstadt, während die Frau zur ambulanten Behandlung in eine Klinik gebracht wurde. Glücklicherweise konnte sie am selben Abend wieder nach Hause gehen. Es ist schon komisch, wie sich die Natur in die urbanen Räume drängt und dabei solche Szenarien aufstellt.
Die Behörden in Hamburg und Niedersachsen prüfen weiterhin die Umstände rund um das Verschwinden des Wolfs. Währenddessen ist der Druck auf die Politik gestiegen. Der Deutsche Jagdverband fordert ein effektives Wolfsmanagement und die Aufnahme des Wolfs in das Hamburger Jagdrecht. Auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion fordert Maßnahmen gegen Wölfe, was von den SPD- und Grünen-Vertretern abgelehnt wurde. Ein heikles Thema, das die Gemüter erhitzt. Und das nicht nur in Altona.
Ein ungewöhnliches Verhalten
Wölfe gelten eigentlich als scheue Tiere, die Menschen meiden. Daher bleibt unklar, was diesen jungen Wolf in die Stadt getrieben hat. Laut dem Bundesamt für Naturschutz gab es seit der Wiederansiedlung 1998 keinen ähnlichen Vorfall. Interessanterweise wurden zwischen 1950 und 2020 in Europa insgesamt 127 Übergriffe von Wölfen auf Menschen dokumentiert – meist durch kranke Tiere. In Niedersachsen, wo die meisten Wölfe leben, gab es jedoch in den letzten 12 Monaten etwa 200 Übergriffe auf Weidetiere. Ein gewisses Ungleichgewicht, das auch die Sorgen der Landwirte widerspiegelt.
Nun bleibt die Frage: Was wird aus dem Wolf, der in Altona für Aufregung gesorgt hat? Die Behörden bleiben am Ball, und Tierschützer sprechen sich gegen eine vorschnelle Bewertung des Vorfalls aus. Spätestens jetzt stellt sich jeder die Frage, wie wir mit der Rückkehr der Wölfe in unsere Nähe umgehen wollen. Ein Balanceakt zwischen Naturschutz und Sicherheit, der noch lange nicht abgeschlossen ist.