In Bremen sorgt die steigende Zahl an Leerfahrten von Rettungswagen für wachsendes Unbehagen. Aktuellen Berichten zufolge endet jeder vierte Rettungswageneinsatz ohne den Transport eines Patienten. Diese Nicht-Transportquote wird für das Jahr 2025 auf durchschnittlich 25 Prozent geschätzt. Besonders alarmierend ist der Anstieg der Fehleinsätze im Rettungsdienst: von 11.740 im Jahr 2019 auf mittlerweile 24.033 im Jahr 2024, was einer fast verdopplung entspricht. Die Kosten für diese Einsätze, die nicht nur die Einsätze mit Patienten, sondern auch die Fehlfahrten umfassen, steigen ebenfalls rasant.
Die Gesamtausgaben für Rettungsdiensteinsätze in Bremen haben sich von 2019 bis 2024 um über 16 Millionen Euro erhöht und belaufen sich nun auf rund 49 Millionen Euro jährlich. Dies ist auch ein Thema, das im Rahmen der politischen Diskussionen an Bedeutung gewinnt. Bisher ist keine Eigenbeteiligung für Patienten in Bremen geplant, jedoch wird eine politische Entscheidung zur Finanzierung von Leerfahrten als notwendig erachtet, insbesondere da in anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Brandenburg bereits über die Weitergabe von Gebühren an die Bürger gestritten wird.
Steigende Gebühren und Finanzierungssorgen
Die Gebühr für den Einsatz eines Rettungswagens (RTW) beträgt in diesem Jahr 752 Euro, mit einer geplanten Erhöhung um knapp 20 Euro im Jahr 2025. Im Vergleich dazu lag die Gebühr im Jahr 2019 bei 381 Euro. Auch die Kosten für ein zusätzlich alarmiertes Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sind mit aktuell 1213 Euro nicht unerheblich. Diese Gebühren sind nicht nur für die Bürger von Bedeutung, sondern auch für die Kommunen, die die Finanzierung des Rettungsdienstes sicherstellen müssen. Die Tatsache, dass Fehlfahrten in die Kalkulation der Gebühren einberechnet und indirekt mitvergütet werden, wirft zudem Fragen über die Effizienz des Systems auf.
Die Diskussion um die Kosten für Rettungsdienste ist nicht neu. Laut einer Mitteilung des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) sind die hohen Kosten vor allem auf die Fahrten ohne Patienten zurückzuführen. Krankenwagen müssen immer ausrücken, auch wenn der Patient nicht ins Krankenhaus muss, was die Ressourcen des Rettungsdienstes zusätzlich belastet. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass die Kosten für Fehleinsätze in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden, was jedoch nicht die Frage nach der Notwendigkeit und der Finanzierung solcher Einsätze klärt.
Ein föderales System mit Herausforderungen
In Deutschland ist der Rettungsdienst föderal organisiert, was bedeutet, dass die Ausführung und Finanzierung je nach Bundesland und Kreisebene variiert. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für medizinisch notwendige Fahrten des Rettungsdienstes, doch die kommunalen Eigenbetriebe, Berufsfeuerwehren sowie Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) stehen vor der Herausforderung, ihre Leistungen effizient zu gestalten.
Die aktuellen Entwicklungen in Bremen sind ein Spiegelbild der Herausforderungen, mit denen viele Kommunen in Deutschland konfrontiert sind. Die Notwendigkeit einer politischen Einordnung der Thematik ist nicht zu übersehen, um eine angemessene Finanzierung und eine effiziente Einsatzplanung zu gewährleisten. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen auf eine Lösung hoffen, die sowohl die Sicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit des Rettungsdienstes in Bremen langfristig sichert.