Die Wasserwelt Niedersachsens ist in einem Zustand, der einem den Atem rauben kann – und nicht im positiven Sinne. Ja, das Grundwasser in Norddeutschland, und besonders in Niedersachsen, ist stark belastet. Laut den Daten des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2022 sind mehr als die Hälfte der Grundwasservorkommen in dieser Region chemisch kontaminiert. Wenn man darüber nachdenkt, wird einem ganz anders. Schadstoffe wie Nitrat und Pflanzenschutzmittel, die durch intensive Landwirtschaft und hohe Viehbestände in die Böden gelangen, sind die Hauptverursacher dieser Misere. Wir leben in einer Region, die für ihre fruchtbaren Äcker bekannt ist, doch die Kehrseite ist eine besorgniserregende Belastung des Wassers.

Besonders in sandigen Böden sickern die Nährstoffe leichter ins Grundwasser. Und das ist nicht nur ein technisches Problem, sondern auch ein gesundheitliches. Nitrat kann im Körper in Nitrit umgewandelt werden – eine gefährliche Angelegenheit, speziell für Säuglinge. Glücklicherweise besteht für uns Verbraucher keine direkte Gesundheitsgefahr, weil das Grundwasser vor der Nutzung als Trinkwasser aufbereitet wird. Aber diese Aufbereitung hat ihren Preis: Die Trinkwasserkosten steigen.

Die regionale Differenzierung

Wenn man sich die verschiedenen Regionen Niedersachsens ansieht, gibt es Licht und Schatten. Nur wenige Gebiete, wie Teile des Landkreises Wesermarsch oder die Küstenstreifen in Aurich, Emden und Leer, können sich über einen guten chemischen Zustand des Grundwassers freuen. Die Region nordwestlich von Hannover schneidet auch besser ab als die nördlichen Gebiete der Weser, wie die Landkreise rund um Bremen und Oldenburg. Aber der Zustand ist insgesamt alarmierend.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie von 2000 fordert einen guten chemischen Zustand aller Gewässer bis 2027. Doch die Realität sieht anders aus. Die Frist wurde schon auf 2039 und 2045 verlängert, und die Schadstoffe im Grundwasser benötigen Jahrzehnte, um abgebaut zu werden. Es ist ein langsamer, mühsamer Prozess. Um dem entgegenzuwirken, wurden nach einer Verurteilung Deutschlands durch den Europäischen Gerichtshof im Jahr 2018 strengere Düngeregeln eingeführt. Diese beinhalten unter anderem Wasserschutzzonen und festgelegte Düngerausbringungszeiträume. Es gibt bereits leichte Verbesserungen, aber die Herausforderungen sind riesig.

Nährstoffe und ihre Folgen

Die hohe Belastung mit Nährstoffen hat nicht nur Auswirkungen auf das Grundwasser, sondern auch auf die Oberflächengewässer. Hohe Stickstoffeinträge führen zu Algenblüten an den Küsten, während in Binnengewässern Phosphor das Hauptproblem darstellt. Die Nährstoffgehalte in Niedersachsens Gewässern gefährden die Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) und beeinflussen die Artenzusammensetzung. Das ist nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein Zeichen dafür, dass wir als Gesellschaft umdenken müssen.

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Der Gewässerkundliche Landesdienst (GLD) überwacht den Zustand der Gewässer in Niedersachsen durch das Gewässerüberwachungssystem. An 254 Messstellen wurden die Gesamtstickstoff- (TN) und Gesamtphosphor- (TP) Gehalte über Jahre hinweg untersucht, um signifikante Trends zu erkennen. Der Schwellenwert für Nitrat im Grundwasser liegt bei 50 mg/L, und in intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen können die Werte weit darüber liegen. Ein Zustand, der uns alle betreffen sollte, denn schließlich ist Wasser Leben.

Die Datenlage und was sie uns sagt

Die aktuellen Grundwassergüteparameter werden durch verschiedene Messstellen dokumentiert. Dabei wird auf eine Vielzahl von Stoffen geachtet – von Aluminium über Nitrat bis hin zu Quecksilber. Diese Parameter sind nicht nur Zahlen, sondern stehen für die Qualität unseres Wassers, das wir täglich nutzen. Wenn man sich die Messstellenberichte und Parameterdatenblätter genauer ansieht, wird klar: Die Probleme sind komplex und vielschichtig.

Niedersachsen ist in vier Teilbereiche unterteilt: „Ems/Rhein“, „Tideweser“, „Mittelweser“ und „Elbe“. Über den Umweltkartenserver kann jeder interessierte Bürger auf die Informationen zugreifen. In einer Zeit, in der Transparenz immer wichtiger wird, ist es gut zu wissen, dass solche Daten zur Verfügung stehen. Denn nur wenn wir informiert sind, können wir auch handeln – für uns und die nachfolgenden Generationen.