Schleswig-Holstein, das steht fest, steht vor einem echten Dilemma im öffentlichen Nahverkehr. Die Kreise, die für die Organisation und Finanzierung der Busverbindungen zuständig sind, schlagen Alarm – und das nicht ohne Grund. Seit 2019 haben sich die Kosten im ÖPNV regelrecht verfünffacht! Niclas Dürbrook von der SPD bringt es auf den Punkt: Während die Landesregierung von einer Verkehrswende redet, müssen die Kreise Busverbindungen streichen. Ein klassischer Fall von „Reden ist Silber, Handeln ist Gold“. Wenn das so weitergeht, könnte der öffentliche Nahverkehr im Land bald vor dem Kollaps stehen.
In einer aktuellen Stunde im Landtag wird die prekäre Lage nun diskutiert. Henning Görtz, Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages, hat da klare Worte: „Das Land lässt die Kreise im Stich“. Und die Zahlen sprechen für sich: Bis 2026 müssen die Kreise voraussichtlich über 160 Millionen Euro für den ÖPNV aufbringen. Und das, obwohl die Mittel von Bund und Land seit 2024 eingefroren sind. Das ist natürlich ein echtes Problem, nicht nur für die Kreise, sondern auch für die Pendler und Schüler, die auf Busse angewiesen sind.
Steigende Kosten und drohende Einschnitte
Die Situation wird nicht besser. Im Kreis Stormarn beispielsweise steigen die Kosten für Busfahrten von 5 Millionen auf satte 12 Millionen Euro jährlich. Keine Frage, das hat Auswirkungen auf die Haushaltsplanung. Bis 2027 wird im Kreis Stormarn eine Lücke von 26 Millionen Euro erwartet. Und als ob das nicht genug wäre, plant der Kreistag Nordfriesland, die Rufbuslinien zum 31. Dezember 2025 einzustellen. Die Diskussion über die Erhöhung der Schülerbeförderungskosten zieht sich durch viele Kreise, und das macht Eltern natürlich nervös.
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen von der CDU erklärt, dass der Busverkehr grundsätzlich Aufgabe der Kreise sei. Allerdings gibt es auch Unterstützungen vom Land, jährlich rund 82 Millionen Euro. Aber mal ehrlich – reicht das wirklich aus, um die steigenden Kosten und den Personalmangel bei Busfahrern zu decken? Ingo Sander, Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, macht deutlich, dass massive Kostensteigerungen und Personalmangel die Situation weiter verschärfen.
Ein Lichtblick für die Beschäftigten
<pDoch nicht alles ist düster. Am 1. März 2026 wurde in Schleswig-Holstein ein neuer Tarifabschluss im ÖPNV erzielt. Arbeitgeber und die Gewerkschaft ver.di haben sich in der vierten Verhandlungsrunde geeinigt. An den Verhandlungen waren vier große kommunale Verkehrsunternehmen aus Flensburg, Kiel, Neumünster und Lübeck beteiligt. Die zentrale Themen – finanzielle Verbesserungen und eine Überarbeitung der Eingruppierungsregelungen – sind für die Mitarbeiter sicherlich ein Lichtblick. Die Jahressonderzahlung wird bis 2031 von 1.200 Euro auf 2.600 Euro steigen. Das ist doch mal eine Ansage!
Auch die Pauschale für geteilte Dienste wird von 4,50 Euro auf 9 Euro verdoppelt. Diese Verbesserungen könnten dazu beitragen, die Attraktivität des Berufs zu steigern und den Personalmangel zu bekämpfen. Außerdem wurde beschlossen, dass zusätzlich geleistete Arbeitszeiten künftig zeitnah ausgezahlt werden – ein Schritt in die richtige Richtung, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Herausforderungen bleiben jedoch. Arbeitgeber betonen, dass die angespannte Finanzierungsbedingungen und die Dekarbonisierung des Verkehrs auch in den kommenden Jahren große Hürden darstellen werden. Bis zum 31. Dezember 2029 hat der Tarifabschluss zwar Gültigkeit, doch die Rahmenbedingungen könnten sich weiter verändern. Die Möglichkeit, eigene Tarifverträge abzuschließen, falls autonomes Fahren eingeführt wird, zeigt, dass die Branche in Bewegung ist.
Die Diskussion um den öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein ist also längst nicht zu Ende. Die Kreise stehen unter Druck, die Landesregierung ist gefordert – und die Bürger? Die hoffen einfach, dass sie auch in Zukunft sicher und zuverlässig von A nach B kommen. Wir bleiben dran.