In der Landwirtschaft gibt es bald neue Regeln für den Einsatz von Rattengiften, die viele Landwirte in Norddeutschland vor Herausforderungen stellen werden. Ab Juli 2027 müssen Landwirte einen Nachweis über die sogenannte Biozid-Sachkunde vorlegen, um bestimmte Rodentizide nutzen zu dürfen. Diese Regelung kommt nicht von ungefähr: Die EU möchte mit dieser Gesetzesänderung den Umwelt- und Gesundheitsschutz stärken. Dabei werden die bisherigen Rodentizide, die hauptsächlich Antikoagulanzien sind und die Blutgerinnung von Ratten und Mäusen hemmen, von den Pflanzenschutzmitteln ins Biozidrecht überführt.
Die neuen Vorgaben sehen eine Teilnahme an einem mehrtägigen Kurs vor, dessen Kosten sich auf etwa 600 Euro belaufen können. Landwirte wie Carsten Dahmke aus Neumünster äußern bereits Bedenken bezüglich des Zeit- und Kostenaufwands, den diese Schulungen mit sich bringen. Um die Situation zu entschärfen, schlägt der Bauernverband vor, ein kurzes, praktisches Zusatzmodul zur Sachkunde anzubieten, das gezielt auf die Rattenbekämpfung eingeht. Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) unterstützt diesen Vorschlag und plädiert dafür, die bestehende Pflanzenschutz-Sachkunde auch für den Einsatz von Rattengiften zu nutzen. Das Ziel: Zusätzliche Bürokratie vermeiden und eine praxisnahe, bundeseinheitliche Lösung finden.
Ein neues Kapitel in der Schadnagerbekämpfung
Die Änderungen in der Sachkundeerfordernisse sind nicht nur für Landwirte von Bedeutung, sondern betreffen auch die allgemeine Öffentlichkeit. Zum Beispiel sind ab dem 01.01.2025 strengere Abgabebestimmungen für Biozidprodukte, einschließlich Rodentizide, zu erwarten. Diese dürfen dann nur noch von sachkundigen Personen abgegeben werden, was ein Selbstbedienungsverbot für Rodentizide mit sich bringt. Die Landwirtschaftskammer weist darauf hin, dass die Schadnagerbekämpfung kein eigenständiger Bestandteil des Ausbildungsrahmenplans ist, was Fragen zur ausreichenden Qualifikation der Landwirte aufwirft.
Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion oft zu kurz kommt, ist die Gefährdung von Menschen und Tieren durch den Einsatz von Rattengiften. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor den möglichen Gefahren und betont die Notwendigkeit von Schulungen im sicheren Umgang mit diesen Mitteln. Schließlich sind Rodentizide chemische Mittel, die zur Bekämpfung schädlicher Organismen eingesetzt werden und daher auch in der Landwirtschaft, zum Beispiel zur Bekämpfung von Ratten in Tierställen, eine Rolle spielen.
Schritt für Schritt zur besseren Bekämpfung
Mit der neuen Regelung wird es für Landwirte nicht nur um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben gehen, sondern auch um die Verantwortung für Umwelt und Gesundheit. Es bleibt abzuwarten, wie die Übergangsregelung bis zur Einführung der neuen Regelung in der Landwirtschaft umgesetzt wird. Der Bauernverband hat bereits die Einführung eines kurzen, praxisnahen Zusatzmoduls angeregt, um Landwirte auf die Veränderungen vorzubereiten. Das Ziel ist klar: Eine effektive und umweltbewusste Bekämpfung von Schadnager, die sowohl den Anforderungen der EU gerecht wird als auch die belange der Landwirte berücksichtigt.
In der Stadt Kiel wird derweil gegen die Rattenplage im Stadtteil Gaarden angegangen, und erste Erfolge sind bereits sichtbar. Ein Forscherteam hat sogar Ratten gefilmt, die gezielt auf Fledermaus-Jagd gehen, was die Problematik der Schadnagerbekämpfung in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die neuen Regelungen tatsächlich zu einer Verbesserung führen können.