Heute, am 30. Mai 2026, blicken wir zurück auf einen Ort, der in den letzten neunzig Jahren viel mehr war als nur ein Denkmal. Das Marine-Ehrenmal in Laboe, ein imposanter Turm, der stolz über die Kieler Bucht ragt, wurde am 30. Mai 1936 eingeweiht und hat seitdem viele Geschichten erzählt – Geschichten von Verlust, Trauer und letztlich auch von Versöhnung. Ursprünglich als revanchistisches Kriegerdenkmal konzipiert, hat sich seine Bedeutung über die Jahrzehnte gewandelt. Heute wird es als Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen aller Nationen geehrt, ein Mahnmal für friedliche Seefahrt auf freien Meeren.

Der Eröffnungstag war alles andere als ein sonniger Feiertag. Bei kühlen Temperaturen und leichtem Regen versammelten sich etwa 10.000 Menschen, um der Krönung eines jahrelangen Projektes beizuwohnen, das 1925 seinen Anfang nahm. Der damalige Ehrengast Adolf Hitler äußerte sich zwar abfällig über das Bauwerk, doch das änderte nichts daran, dass der Turm mit seinen 72 Metern Höhe eine wichtige Landmarke wurde. Umrahmt von einer Flottenparade der Kriegsmarine auf der Kieler Förde, war dieser Tag bedeutend – aber auch umstritten.

Ein Monument der Gegensätze

Die Idee für das Ehrenmal hatte Wilhelm Lammertz, ein ehemaliger Unteroffizier, der nach dem Ersten Weltkrieg einen Ort der Trauer für die Angehörigen der gefallenen Marinesoldaten suchte. Während des Krieges hatten 34.836 Soldaten der Kaiserlichen Marine ihr Leben auf See verloren, und es gab keinen Platz, um zu trauern. Lammertz‘ Vorschlag wurde 1925 beim Abgeordnetentag in Erfurt vorgestellt und fand schließlich 1926 die Zustimmung der Gemeinde Laboe.

Die Baukosten beliefen sich auf rund 700.000 Reichsmark, finanziert durch Spenden und Unterstützung aus der Stadt Kiel. Ein Architektenwettbewerb wurde ausgeschrieben, und obwohl der Entwurf von Heinz Stoffregen den ersten Preis gewann, entschied sich die Kommission für den von Gustav August Munzer, der die Baukosten jedoch überstieg. Die Bauarbeiten begannen schließlich am 8. August 1927, und die ersten Schritte waren vielversprechend. Doch wie so oft in dieser Zeit wurde der Fortschritt durch die Wirtschaftskrise und Geldmangel gestoppt.

Ein Ort des Erinnerns

Die Bauarbeiten wurden 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wieder aufgenommen. Schließlich war es am 30. Mai 1936 so weit: Die Einweihung des Ehrenmals fand in Anwesenheit Hitler statt, und die pompöse Flottenparade bleibt vielen in Erinnerung. Die Oberkante der Brüstung des Turms liegt 85 Meter über dem Meeresspiegel, und die Aussichtsplattform ist über 341 Treppenstufen oder zwei Aufzüge erreichbar. Man könnte sagen, dass der Turm nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Geschichte ragt.

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Die Anlage umfasst 5,7 Hektar, mit einer historischen Halle, in der Exponate zur deutschen Marinegeschichte ausgestellt sind. Hier finden sich Schiffsmodelle und maritime Artefakte, die von der glorreichen und gleichzeitig tragischen Geschichte der Seefahrt erzählen. Und doch gibt es immer noch Diskussionen über die Inschrift „Sie starben für uns“, die schließlich um „den Lebenden zur Mahnung“ ergänzt wurde. Ein bemerkenswerter Schritt, der zeigt, wie sich die Perspektiven im Laufe der Zeit verändern.

Der Blick in die Zukunft

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Bestrebungen, das Ehrenmal zu sanieren. Der Zustand des Bauwerks ist alles andere als ideal – bis zu 15.000 Steine an der Fassade sind beschädigt. Der Deutsche Marinebund plant eine umfassende Renovierung, die schätzungsweise 1,2 Millionen Euro kosten wird. Es bleibt zu hoffen, dass durch diese Maßnahmen das Ehrenmal nicht nur als Gedenkstätte, sondern auch als Ort der Begegnung und des Friedens bestehen bleibt.

Der Marine-Ehrenmal in Laboe ist mehr als nur ein Bauwerk; er ist ein lebendiger Zeuge der Geschichte, ein Ort des Gedenkens und ein Mahnmal für die zukünftigen Generationen. Es ist ein Platz, an dem wir innehalten und über die Bedeutung von Frieden und Versöhnung nachdenken sollten – ein unsichtbares Band, das uns alle miteinander verbindet, egal woher wir kommen.