Heute, am 11.06.2026, ist Lübeck nicht nur eine Stadt voller Geschichte und maritimer Atmosphäre, sondern auch ein Ort, an dem die Vergangenheit auf eine ganz besondere Weise lebendig wird. Man könnte fast sagen, dass die Wellen der Elbe nicht nur das Wasser, sondern auch die Geschichten der Kulturen transportieren. Und genau das geschieht im Lübecker Depot, wo die faszinierenden afrikanischen Kultobjekte, die Bernd Muhlack, ein Kieler Sammler, der Stadt vermacht hat, auf ihre Entdeckung warten.
Die Sammlung umfasst ganze 3.500 Objekte, darunter auch die beeindruckende Batcham-Maske aus Kamerun. Diese Maske ist mehr als nur ein Stück Holz; sie ist ein Symbol für Macht und Tradition und gehörte einst einem König der Fang, einem Bantu sprechenden Volk. Maxim Mballa Tagny, ein Künstler aus Kamerun und Nachfahre einer Königsfamilie, hat sich auf den Weg gemacht, um sich mit den Kultgegenständen seiner Vorfahren auseinanderzusetzen. „Die Objekte verlieren im Museum nicht ihr spirituelles Leben“, sagt er, und man spürt die tiefe Verbundenheit, die er mit diesen Artefakten hat.
Kulturelle Schätze und koloniale Schatten
Die Batcham-Maske, die traditionell bei der Wahl des Königs verwendet wurde, ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Das macht sie umso begehrter. Bernd Muhlack erwarb dieses einzigartige Stück nach vielen Jahren des Schenkens an den König und begann in den 1950er-Jahren als Holzhändler in Kamerun, eine beeindruckende Sammlung zusammenzustellen. Man fragt sich, wie viele Geschichten in jedem dieser Objekte stecken und wie sie die koloniale Geschichte reflektieren.
Ein wichtiger Aspekt, der bei der Betrachtung dieser Kulturgüter nicht fehlen darf, ist der kritische Umgang mit der kolonialen Vergangenheit. Viele der Objekte, die heute in Museen zu finden sind, wurden während der Kolonialzeit geraubt. Lars Frühsorge, der Leiter der Lübecker Sammlung, betont, wie wichtig es ist, diese Objekte nicht nur als Ausstellungsstücke zu sehen, sondern als Brücke für zwischenmenschliche Verbindungen und den Wunsch nach einem besseren Miteinander. Er plant sogar eine Reise nach Kamerun, um mit Tagny über den richtigen Umgang mit solchen Objekten zu sprechen. Es ist eine spannende Zeit, in der koloniale Symbole vielleicht zu Zeichen der Verständigung transformiert werden können.
Ein Schritt in die Zukunft
Die Diskussion um die Rückgabe kolonialer Raubkunst ist längst nicht neu, aber sie hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Deutschland hat beispielsweise bereits 23 antike Artefakte an Namibia zurückgegeben, die zwischen 1860 und 1890 entnommen wurden. Diese Rückgabe war jedoch nur als Dauerleihgabe gedacht, was von namibischen Aktivist/-innen kritisiert wird. Sie fordern eine dauerhafte Rückgabe, um die dunkle Geschichte der Kolonialzeit zu bewältigen.
Die Debatte um die Restitution kolonialer Kunstwerke wird seit den 1960er Jahren geführt. Während einige Gegner einen „Ausverkauf der Museen“ befürchten, sehen Befürworter die Rückgabe als Chance, koloniale Denkstrukturen zu hinterfragen und zu überwinden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Gespräche und Verhandlungen weiterentwickeln werden. Eines ist jedoch klar: Die Geschichten dieser Objekte und die kulturellen Verbindungen, die sie repräsentieren, sind von unschätzbarem Wert.