Heute ist der 4.05.2026 und die Stadt Lübeck steht vor einer großen Herausforderung. Ab dem Schuljahr 2026/27 wird das neunjährige Gymnasium (G9) wieder eingeführt, was für viel Aufregung sorgt. Lübecker Landtagsabgeordnete Sophia Schiebe von der SPD hat bereits Bedenken geäußert – und das nicht ohne Grund. Die städtischen Gymnasien haben bereits jetzt mit Platzmangel zu kämpfen. Es wird gemunkelt, dass die Aufnahmezahlen aufgrund der begrenzten Kapazitäten beschnitten werden müssen. Ein zusätzlicher Jahrgang könnte die Situation noch verschärfen. Man fragt sich, wo all die neuen Schüler unterkommen sollen, während andere in Räumen lernen, die eigentlich nicht für den Unterricht gedacht sind. Das klingt schon fast nach einem schlechten Scherz.
Die Bildungspolitik in Lübeck wird von Schiebe als Mangelverwaltung kritisiert. In den Klassenverbänden tummeln sich bis zu 29 Schüler, und das unter Bedingungen, die man sich kaum vorstellen kann. Wo bleibt da die Chancengleichheit? Während im KiTa-Gesetz Mindestflächen vorgesehen sind, bleibt der Schulbereich hier ziemlich im Regen stehen. Die Landesregierung hat seit Jahren nicht genug Unterstützung für die Kommunen bereitgestellt, was die Situation noch verschärft. Ein Vergleich mit Nordrhein-Westfalen macht das deutlich: Dort wurden 500 Millionen Euro für Schulraum bereitgestellt. In Schleswig-Holstein haben die Schulträger über 135 Millionen Euro für dringend notwendige Umbaumaßnahmen angemeldet – doch bisher wurden keine Fördermittel bewilligt oder ausgezahlt. Da fragt man sich doch, wo die Prioritäten liegen.
Der Raumbedarf an den Lübecker Gymnasien
Die Rückkehr zu G9 hat die Schulen vor eine neue Herausforderung gestellt: Der Raumbedarf ist gestiegen. Seit dem Schuljahr 2016/17 stehen zwar einige zusätzliche Räume zur Verfügung, die durch den doppelten Abiturjahrgang freigeworden sind, aber das reicht nicht aus. Vor der Einführung von G8 war der Bedarf an Klassen-, Differenzierungs- und Ganztagsräumen enorm, was zu einer hohen Anzahl an Wanderklassen führte. Aktuell gibt es noch einige Wanderklassen in Lübeck: vier an der OzD, drei am Johanneum, zwei am Katharineum und eine an der Thomas-Mann-Schule.
Interessanterweise ist das „Wandern“ in der Profiloberstufe nicht immer auf Raummangel zurückzuführen, sondern vielmehr auf die verschiedenen Kurssysteme. Dennoch bleibt der Bedarf für Gruppenarbeit und Intensivierungsstunden unerfüllt. Das sorgt für Diskussionen über mögliche Verlagerungen des Unterrichts in die Nachmittagsstunden – eine Lösung, die nicht überall auf Begeisterung stößt. Der Schulträger hat jedoch keine rechtliche Handhabe, um Änderungen in der Stundenplangestaltung zu verlangen. In Konfliktfällen wird er einbezogen, aber die Schulen und Ganztagsträger stimmen sich direkt ab. Das kann manchmal wie ein Spiel ohne Schiedsrichter wirken, nicht wahr?
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Senatorin diskutiert die Rhythmisierung im Ausschuss für Bildung und Soziales des Städtetages. Geplant ist auch die Einführung eines Kabinettsystems an einigen Schulen, aber das stößt auf Hindernisse. An den meisten Gymnasien wie dem Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium und dem Katharineum ist keine solche Planung in Sicht. An der OzD, dem Johanneum und der Thomas-Mann-Schule wurde die Idee zwar diskutiert, doch die unzureichende Anzahl an Räumen und die kleinen Räume im denkmalgeschützten Altbestand haben die Pläne zunichtegemacht.
Es bleibt spannend, wie sich die Schulpolitik in Lübeck entwickeln wird. Die SPD fordert unbürokratische und schnelle Lösungen für die Mehrbedarfe, klare Vorgaben für pädagogisch nutzbare Flächen und kritisiert die provisorischen Lösungen wie Container-Schulen. Es wird Zeit, dass die Landesregierung ihre Wahlversprechen einlöst, damit die Schüler nicht in überfüllten und ungeeigneten Räumen lernen müssen. Schließlich geht es hier um die Zukunft unserer Kinder, und die sollte nicht auf der Strecke bleiben.