Heute ist der 27.04.2026 und die Vorfreude auf die neue elektrische Seilfähre „Missunde III“ könnte nicht größer sein. Nach einer langen Wartezeit und etlichen Verzögerungen soll der Betrieb am Mittwoch, den 29. April 2026, endlich starten. Doch die Freude könnte schnell trüben: Die ersten Fahrtage sind mit Einschränkungen belegt, die Pendler und Reisende im Kreis Schleswig-Flensburg betreffen könnten.
Am Montag erhielt die „Missunde III“ ihr vorläufiges Fährzeugnis, das bis Ende August 2026 gilt. Doch der Startschuss wird nicht ohne Hindernisse abgefeuert. Die Fähre wird zwischen Missunde (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und Brodersby (Kreis Schleswig-Flensburg) verkehren. Während der Testphase ist der Transport von Fahrzeugen über 7,5 Tonnen nicht erlaubt, auch wenn eine Zulassung für Fahrzeuge bis 25 Tonnen angestrebt wird.
Probleme beim Anlegen
Die Inbetriebnahme der „Missunde III“ hat sich jedoch bereits als problematisch herausgestellt. Ursprünglich sollte die neue Fähre die alte „Missunde II“ ersetzen, die schon lange als marode galt. Technische Mängel an der landseitigen Infrastruktur, insbesondere an den Anlegestellen, haben dazu geführt, dass die Fähre die Verbindung zwischen Kosel und Brodersby-Goltoft nicht antreten kann. Anwohner und Touristen müssen nun einen Umweg von 40 Kilometern über Schleswig oder Kappeln in Kauf nehmen.
Aktuelle Testfahrten haben gezeigt, dass die Rampen und die Seilführung im Alltag unpraktikabel sind. Gerade bei schwierigen Windverhältnissen und Strömungen kann die „Missunde III“ nicht sicher an die Rampen manövriert werden. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) ist gefordert, umfangreiche Nachbesserungen an der Landseite vorzunehmen. Bis diese Lösungen gefunden sind, bleibt die „Missunde III“ ein Symbol für missratene Planung.
Ein Blick auf die Kosten
Die Gesamtkosten des Fährprojekts belaufen sich mittlerweile auf über 6,5 Millionen Euro – eine beachtliche Steigerung im Vergleich zu den ursprünglich kalkulierten 2,5 Millionen Euro. Um die Fähre für den Betrieb fit zu machen, wurden Umbauten in Kiel notwendig, einschließlich der Erhöhung der Batteriekapazität und der Installation von vier Querstrahlrudern für mehr Stabilität. Diese Umbauten haben rund 1,3 Millionen Euro gekostet. Doch selbst mit diesen Investitionen bleibt die Frage nach der Verantwortung für die Fehlkonstruktionen nicht unbeantwortet, da rechtliche Überprüfungen im Raum stehen.
Die Opposition im Kieler Landtag kritisiert das Fährprojekt scharf. FDP-Politiker Bernd Buchholz hat bereits eine Prüfung der Kosten und Verantwortlichkeiten angekündigt. In der Zwischenzeit kämpfen lokale Wirtschaftsvertreter und die Tourismusbranche mit den Folgen der gescheiterten Fährverbindung und berichten von erheblichen Einbußen.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die „Missunde III“ ist 28,5 Meter lang, 8,2 Meter breit und für 120 Personen sowie Fahrzeuge bis 40 Tonnen ausgelegt. Doch die Dimensionen des neuen Schiffes scheinen nicht optimal mit den baulichen Gegebenheiten der Anlegestellen harmoniert zu haben. Kritiker bemängeln, dass die Planung nicht ausreichend aufeinander abgestimmt war, was zu den aktuellen Schwierigkeiten führt.
Die Hoffnung bleibt, dass die „Missunde III“ bald ihren Dienst aufnehmen kann, ohne dass die Pendler und Landwirte weiterhin lange Umwege in Kauf nehmen müssen. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen die Probleme lösen werden, um die neue Fähre doch noch zu einem Erfolg zu machen.