Heute ist der 7.05.2026 und Flensburg ist mehr als nur eine Stadt. Sie ist ein Ort voller Geschichte, und gerade jetzt, in den letzten Tagen des Krieges, wird sie zum Schauplatz eines faszinierenden Machtspiels. In ihrem Buch „Die letzten Tage der Diktatur“ taucht die Flensburgerin Svenja Falk tief in diese Übergangszeit zwischen Diktatur und Besatzungsherrschaft ein. Die letzten Tage des „Dritten Reiches“ endeten formal am 5. Juni 1945 mit der Berliner Erklärung der alliierten Siegermächte – nicht, wie viele glauben, mit der Kapitulation am 8. und 9. Mai 1945.
In den letzten Tagen der NS-Diktatur führte Großadmiral Karl Dönitz, als testamentarisch bestimmter Nachfolger Adolf Hitlers, die Geschäfte des Staates. Die letzte Reichsregierung wurde am 23. Mai 1945 in Flensburg-Mürwik von britischen Soldaten festgenommen. Diese geschäftsführende Reichsregierung hatte ihren Sitz in der Marinesportschule, einem Ort, der heute vielleicht nicht mehr viel Aufsehen erregt, aber damals ein Zentrum der Macht war.
Vom Ende eines Regimes
Die dramatische Flucht und das Chaos, das den letzten Tagen des Dönitz-Regimes folgten, sind fast filmreif. Am 2. Mai 1945 trat Hitlers letztes Kabinett in Eutin offiziell zurück, während die britische Armee bereits die Elbe überschritt und sich auf Lübeck zubewegte. Lustigerweise wurde Lübeck am Abend des 2. Mai weitgehend kampflos eingenommen – ein Zeichen für die Verzweiflung, die in diesen Tagen herrschte.
Am 3. Mai zog die geschäftsführende Reichsregierung nach Flensburg. Dönitz wies an, Hamburg kampflos an die Briten zu übergeben, und Himmler floh mit seinen Gefolgsleuten nach Bad Bramstedt. Ein Umzug nach Prag war im Gespräch, aber auch dieser Plan zerschlug sich. Tatsächlich scheint das gesamte Dönitz-Regime mehr gespenstisch als handlungsfähig gewesen zu sein. Historiker beschreiben es als „Regierung nur dem Namen nach“ – ein trauriges Echo auf die einstige Macht.
Ein ungewisser Übergang
Falks Buch beleuchtet diese verworrene Gemengelage, in der das Dönitz-Regime nach Kriegsende noch zwei Wochen existierte. Die Amerikaner waren unsicher, wie sie mit diesem NS-Reststaat umgehen sollten, während die Briten ihn als Spielfigur im Kalten Krieg nutzen wollten. Stalin hatte sogar versucht, das Kabinett Dönitz nach Berlin zu bewegen, was jedoch an den neuen Realitäten scheiterte.
Am 5. Mai tagte die geschäftsführende Reichsregierung in Flensburg, und am 6. Mai wurde NSDAP-Gauleiter Hinrich Lohse seines Amtes enthoben. Es ist kaum zu fassen, dass trotz der Kapitulation die Dönitz-Regierung noch versuchte, den Alliierten ihre Dienste anzubieten – vergebens natürlich. Die Bewegungsfreiheit wurde auf Mürwik beschränkt, und am 8. Mai wurde der Rundfunkgebrauch der Regierung untersagt. Der Kontakt zur Außenwelt war damit praktisch unmöglich.
Widerhall der Geschichte
Svenja Falk zitiert in ihrem Buch auch Siegfried Unseld, einen Zeitzeugen und späteren Suhrkamp-Verlagschef, obwohl die Beweislage zu seinem Aufenthalt in Flensburg unklar ist. Ihre Erzählweise ist dabei nicht immer historisch belegbar, was dem Buch einen interessanten, wenn auch nicht unumstrittenen Charakter verleiht. Überraschende Funde, wie die Anwesenheit von Zeitzeugen der Operation „Regenbogen“ und Figuren wie William Joyce, geben dem Werk eine unerwartete Tiefe.
Inmitten all dieser politischen Wirren beschreibt Falk die Porträts historischer Figuren wie Dönitz und Speer eher grob, was dem Leser einen gewissen Freiraum lässt, sich selbst ein Bild zu machen. Letztlich ist es ein Buch, das nicht nur die letzten Atemzüge einer Diktatur festhält, sondern auch die fragile Situation, in der sich die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg befand. Ein faszinierendes, chaotisches Kapitel unserer Geschichte, das noch lange nachhallen wird.