In Flensburg rumort es: Seit der Übernahme des Diako-Krankenhauses durch den Malteserorden im März 2025 ist die Versorgungssituation für Schwangerschaftsabbrüche ins Wanken geraten. Die Malteser führen diese nicht mehr durch und werden auch im geplanten Neubau keine entsprechenden Angebote schaffen. Dies hat zu einem Aufschrei in der Bevölkerung geführt, der sich in einer Petition manifestiert hat, die von rund 12.500 Menschen unterstützt wird. Diese fordern ein Eingreifen des Landes, um die veränderte Versorgungslage zu stabilisieren.
Birte Lohmann, eine der Initiatorinnen und Teil des Netzwerks feministischer Aktionen, hebt hervor, dass mit der Schließung der Abteilung eine zentrale Anlaufstelle für Frauen verloren geht. Bis zur Übernahme fanden im Diako-Krankenhaus jährlich rund 50 Schwangerschaftsabbrüche statt, was etwa ein Viertel der Fälle in Flensburg ausmachte. Nun müssen Frauen für Abbrüche nach Kiel oder Rendsburg fahren, was als zumutbar erachtet wird. Doch die Realität spricht eine andere Sprache: Die Fahrtzeiten und die damit verbundenen Belastungen sind für viele Frauen eine Herausforderung.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen
Der Malteserorden hat sich vertraglich verpflichtet, Schwangerschaftsabbrüche nur bei medizinischer Indikation, sprich akuter Lebensgefahr für die Schwangere, durchzuführen. Dies steht im Widerspruch zu einem Vertrag, den die DIAKO 1995 mit der Stadt Flensburg geschlossen hat, der die Durchführung von Abbrüchen bei allen Indikationen nach §218 (StGB) vorsah. Der Vertrag ist seit 1997 gültig und könnte rechtliche Fragen aufwerfen, sollte er als nicht eingehalten betrachtet werden. Die Stadt Flensburg sieht jedoch geringe Chancen auf eine Klage, da der ursprüngliche Partner juristisch nicht mehr greifbar ist.
Aktuell gibt es in Flensburg nur noch zwei gynäkologische Praxen, die operative Abbrüche vornehmen. Eine davon behandelt lediglich eigene Patient*innen. Laut Dominik Völk, Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung, kann das Land keine Mediziner zur Durchführung von Abbrüchen zwingen, selbst wenn die Überversorgung mit Gynäkologen in der Region laut Statistiken hoch ist.
Der Weg in die Zukunft
Die Diskussion um die Schaffung eines staatlichen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) auf dem Klinikgelände könnte eine Lösung bieten, um die Versorgungslücke zu schließen. Doch die Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken warnt, dass ein MVZ ohne bereitwillige Ärzte lediglich eine „bauliche Hülle“ bleiben würde. Der Fachkräftemangel ist ein Problem, das nicht ignoriert werden kann.
Ein Antrag an das Land Schleswig-Holstein fordert unter anderem die Sicherstellung, dass der Malteser Orden sich den Regelungen der Musterberufsordnung verpflichtet. Zudem soll die Rechtmäßigkeit der Aufhebung des Vertrages zwischen DIAKO und der Stadt Flensburg überprüft werden. Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bleibt die Versorgungssituation für Schwangerschaftsabbrüche in Flensburg und Schleswig-Holstein ein zentrales Thema, das auch die Politik weiterhin beschäftigen wird.
Im Jahr 2024 wurden in Schleswig-Holstein insgesamt 3.400 Schwangerschaftsabbrüche registriert, von denen nur 40 stationär durchgeführt wurden. Der Großteil der Abbrüche, etwa 98 %, fand ambulant statt. Flensburg hat darüber hinaus die höchste Dichte an niedergelassenen Gynäkologen in Schleswig-Holstein. Dennoch bleibt die Frage, wie die Stadt und das Land sicherstellen können, dass betroffene Frauen die notwendige Unterstützung und Versorgung erhalten, ohne lange Wege auf sich nehmen zu müssen.