Wenn man in Hamburg von Tradition spricht, kommt man an D.H.W. Schulz & Sohn einfach nicht vorbei. Am 24. Mai 2024 wird dieser Betrieb, der als ältester Handwerksbetrieb der Hansestadt gilt, sage und schreibe 300 Jahre alt! Gegründet wurde er im Jahr 1726, und auch heute noch sorgt das Unternehmen für die Dächer der Stadt – darunter auch die von bekannten Hamburger Gebäuden. Die Jubiläumsfeier am 3. Juni wird ein großes Fest, zu dem 400 Gäste eingeladen sind. Ein passender Anlass, um mal innezuhalten und zurückzublicken.
Aktuell arbeiten 50 Menschen für D.H.W. Schulz & Sohn, darunter vier Auszubildende. Geschäftsführerin Isabel Matthiessen hat mit ihrem Team ein System entwickelt, das nicht nur flexible Arbeitszeiten ermöglicht, sondern auch zeigt, dass es im eigenen Betrieb keinen Fachkräftemangel gibt – ein echter Lichtblick in einer Zeit, in der viele Handwerksbetriebe in Hamburg mit dieser Herausforderung kämpfen. Laut Handwerkskammer sind in der Stadt rund 106.000 Menschen im Handwerk beschäftigt, und etwa 15.000 Betriebe stehen vor der Frage, wie sie den drohenden Fachkräftemangel bewältigen können.
Die Herausforderungen des Handwerks
Die Situation ist angespannt. In den kommenden Jahren wird ein Drittel der Betriebsinhaber in Rente gehen, und die Unternehmen müssen sich auf einen zunehmend verschärften Fachkräftemangel einstellen. Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnten jedoch Lösungen bieten. Roboter und Drohnen sind bereits in einigen Bereichen des Handwerks im Einsatz – eine Entwicklung, die von vielen als Chance gesehen wird. Stemmann von der Handwerkskammer merkt an, dass diese Technologisierung keineswegs eine Bedrohung darstellt, sondern vielmehr neue Möglichkeiten eröffnet.
Die wirtschaftliche Lage ist für viele Betriebe alles andere als rosig. Während der Anteil der Unternehmen, die sich in einer guten Geschäftslage befinden, von 44% auf nur noch 30% gesunken ist, geben 28% der Betriebe an, in einer schlechten Situation zu sein. Besonders energieintensive Handwerke leiden unter Preissteigerungen von bis zu 25%. Der Klimawandel und das Streben nach mehr Nachhaltigkeit stellen weitere Herausforderungen dar.
Die Zukunft des Handwerks
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass der Handwerkssektor im Jahr 2025 vor grundlegenden Veränderungen steht. Zentrale Treiber sind neben dem Fachkräftemangel auch Digitalisierung und die Gebäudewende im Rahmen der Energiewende. Der Arbeitsmarkt wird durch neue Arbeitsmodelle geprägt sein, in denen temporäre Einsätze und modulare Montageteams eine große Rolle spielen. Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland jetzt schon über 250.000 Fachkräfte im Bau- und Ausbaugewerbe.
Die Gründe für diesen Fachkräftemangel sind vielfältig. Der demografische Wandel sorgt für sinkende Ausbildungszahlen, und die Wahrnehmung des Handwerksberufs ist oft von körperlichen Belastungen geprägt, was die Attraktivität mindert. Umso wichtiger ist es, die Integration osteuropäischer Fachkräfte voranzutreiben und die Arbeitnehmerüberlassung als strategische Option für Betriebe in Betracht zu ziehen.
Eine Umfrage der DIHK zeigt, dass 36% der befragten Unternehmen offene Stellen nicht besetzen können, weil geeignetes Personal fehlt. Der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen mit Besetzungsproblemen liegt sogar bei über 40%. Es ist ein besorgniserregender Trend, der die gesamte Branche betrifft. Die Bundesregierung hat bereits erste Schritte unternommen, um älteren Arbeitnehmern eine Perspektive zu bieten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Die Nachfrage nach Fachkräften mit dualer Berufsausbildung ist so hoch wie nie zuvor, und das wird sich in den kommenden Jahren nicht ändern.
Die Herausforderungen sind also enorm, aber der Handwerkssektor hat auch die Chance, durch innovative Ansätze und eine stärkere Vernetzung mit der digitalen Welt zu wachsen. Wie D.H.W. Schulz & Sohn es vorlebt, gilt es, Tradition und Moderne zu verbinden – denn nur so kann das Handwerk auch in Zukunft bestehen.