Die Nosferatu-Spinne, ein faszinierendes Wesen, das nicht nur mit ihrem Namen an den berühmten Vampir aus dem Film erinnert, hat sich mittlerweile weit über die Grenzen ihrer ursprünglichen Heimat im Mittelmeerraum hinaus verbreitet. Seit ihrer ersten Sichtung in Deutschland im Jahr 2005 hat sie sich, ganz unauffällig, in zahlreiche Haushalte geschlichen. Zuletzt wurde sie auch in Mecklenburg-Vorpommern gesichtet, wo sie sich offenbar bestens etabliert hat. Alexander Wirth von der Umweltorganisation Nabu berichtet, dass immer mehr Meldungen aus dieser Region eingehen. Was für eine spannende Entwicklung!
Die ersten Exemplare in Mecklenburg-Vorpommern wurden 2022 gemeldet, und es scheint, als ob die Nosferatu-Spinne sich auf den Inseln Rügen und Usedom bereits heimisch fühlt. Vermehrte Sichtungen kommen zudem aus Schleswig-Holstein, insbesondere aus Lübeck. Dort wurden in diesem Jahr sogar erste Belegbilder gesichtet, die die Spinne in ihrem natürlichen Habitat zeigen. Aber was macht diese Spinne eigentlich so besonders? Ihre Körperlänge von etwa 1 bis 2 cm und eine Beinspannweite von bis zu 5 cm sind durchaus beeindruckend, auch wenn sie im Vergleich zu anderen Spinnenarten relativ klein erscheint. Der Name leitet sich von der charakteristischen Zeichnung auf ihrem Vorderkörper ab, die den schaurigen Vampir aus den alten Filmklassikern fast lebendig werden lässt.
Die Ausbreitung der Nosferatu-Spinne
Die Nosferatu-Spinne hat eine ganz besondere Art, sich auszubreiten. Manchmal geschieht das ganz heimlich, als blinde Passagiere in Reisetaschen oder Transportmitteln. So wurden bis Sommer 2022 nur wenige hundert Nachweise registriert. Doch das hat sich geändert: Ein Meldeaufruf von NABU|naturgucker und NABU Baden-Württemberg, der am 30. August 2022 gestartet wurde, hat zur größten Citizen-Science-Aktion zur Nosferatu-Spinne geführt. In nur sechs Wochen gingen über 20.000 Meldungen ein. Wow, das ist schon eine Hausnummer! In den letzten Jahren sind die Meldungen bundesweit auf zwischen 3.000 und 5.000 pro Jahr gestiegen, und allein im Frühjahr 2026 wurden bereits über 2.500 Fotos bis Mai eingereicht.
Besonders spannend ist, dass die Nosferatu-Spinne nicht nur im Spätsommer und Frühherbst aktiv ist, sondern auch im Frühjahr. Dabei zieht sie sich in der kalten Jahreszeit gerne in geheizte Häuser zurück. Wenn sie sich bedroht fühlt, kann sie mit ihren Giftklauen sogar die menschliche Haut durchdringen, aber keine Sorge – ein Biss ist in der Regel ungefährlich für uns Menschen. Dagegen sind Verwechslungen mit anderen Spinnenarten nicht selten: Rund 50 % der Meldungen werden fälschlicherweise als Winkelspinnen oder Vierfleckzartspinnen deklariert.
Ein Blick in die Zukunft
Die Forschung zur Nosferatu-Spinne ist gerade erst im Gange. Eine Veröffentlichung einer Analyse der gesammelten Daten in der Fachzeitschrift Frontiers in Arachnid Science ist für 2024 geplant. Experten vermuten, dass das Vorkommen dieser Spinnenart in Deutschland stark unterschätzt wurde. Über 30.000 Fotos sind bereits im Meldeportal von NABU|naturgucker dokumentiert, und es wird weiterhin an der Erforschung ihrer natürlichen Fressfeinde sowie der Ausbreitung in Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet. Wer hätte gedacht, dass eine kleine Spinne solch einen Aufruhr verursachen kann?
Die Nosferatu-Spinne, die ihren Weg in die Herzen der Menschen gefunden hat, zeigt uns, wie vielfältig und spannend die Welt der Spinnen ist. Sie ernährt sich hauptsächlich von Fliegen und, komischerweise, möglicherweise auch von größeren Spinnen. Dennoch ist ihr Überleben in der Natur von vielen offenen Fragen geprägt. In anderen Ländern ist die Aufregung um die Nosferatu-Spinne weitaus geringer, doch hierzulande hat sie sich einen Namen gemacht und wird wohl auch weiterhin für Gesprächsstoff sorgen. Wer weiß, vielleicht entdeckt der ein oder andere von uns bald ein weiteres Exemplar dieser mysteriösen Spinne in seinem eigenen Zuhause?