In Wolfsburg, der Heimat von Volkswagen, stehen weitreichende Veränderungen an. Der Automobilriese plant, sein Stammwerk neu auszurichten, um im harten Wettbewerb mithalten zu können. Dies wird durch eine technische Neuausrichtung angestoßen, die sich am Entwicklungszentrum in Hefei, China, orientiert. Der Fokus dabei liegt auf dem Konzept des „Software defined Vehicle“, das bedeutet, dass die Entwicklung der Fahrzeuge zunehmend softwarebasiert erfolgt, anstatt wie bisher umgekehrt. Die Ambitionen sind hoch: Volkswagen will künftig schneller und agiler arbeiten, mit einer Entwicklungszeit von 24 Monaten für Anpassungen auf bestehenden Plattformen und 36 Monaten für die Entwicklung neuer Plattformen und Software.
Ein zentrales Element dieser Strategie ist die SSP-Plattform (Scalable Systems Platform), die als modulare Basis für zukünftige Elektroautos dienen soll. Diese Plattform, die im Rahmen der „New Auto“-Strategie im Juli 2021 angekündigt wurde, zielt darauf ab, eine einheitliche Grundlage für batterieelektrische Fahrzeuge über alle Marken hinweg zu schaffen. Die SSP wird die bestehenden MEB- und PPE-Plattformen ersetzen und ist für eine Einführung im Jahr 2029 vorgesehen. Neben der SSP wird Volkswagen auch an einer Variante für traditionelle Autos unter dem Codenamen „Trinity“ arbeiten, während Audi sich auf die SUV-Variante „Apollon“ konzentriert.
Neubauten und Umstrukturierungen in Wolfsburg
In Wolfsburg wird nicht nur an den Fahrzeugen geschraubt: Die Bauarbeiten für das neue Campus 2.0 haben bereits begonnen. Geplant sind zwei Neubauten, darunter ein modernes Designzentrum, das voraussichtlich Anfang 2029 eröffnet wird und mehrere hundert Millionen Euro kosten wird. Zudem entsteht ein Integrationszentrum mit einer Fläche von 15.000 Quadratmetern, das bis Ende 2027 fertiggestellt sein soll. Diese Investitionen unterstreichen den langfristigen Fokus von Volkswagen auf Elektrofahrzeuge und die notwendige technologische Weiterentwicklung.
Während Volkswagen also in die Zukunft investiert, stehen auch strukturelle Veränderungen an. Aktuell arbeiten etwa 11.000 Beschäftigte in der Forschung und Entwicklung in Wolfsburg, doch bis 2030 wird eine Reduzierung auf etwa 8.000 Mitarbeitende angestrebt. Insgesamt plant Volkswagen den Abbau von 35.000 Stellen in der Kernmarke, unter anderem durch Altersteilzeit, Abfindungen und reguläre Renteneintritte. Diese Maßnahmen sind Teil der Anpassung an die sich verändernden Marktbedingungen.
Ein Blick in die Zukunft: KI in Volkswagen-Fahrzeugen
Ein weiterer spannender Aspekt der Zukunft von Volkswagen ist die Integration von Künstlicher Intelligenz. Anfang 2024 war Volkswagen der erste große Automobilhersteller, der ChatGPT serienmäßig in Fahrzeuge integriert hat. Diese Technologie wird in verschiedenen Modellen der Marken Audi, Seat und Skoda eingesetzt und erweitert die Möglichkeiten der Sprachsteuerung erheblich. Neben der Navigation, Musik und Klimatisierung kann die KI auch Informationen zu Sehenswürdigkeiten oder aktuellen Sportergebnissen bereitstellen. Die Steuerung erfolgt dabei intuitiv in natürlicher Sprache, ohne dass die Fahrenden den Verkehr aus den Augen verlieren müssen.
Mit all diesen Entwicklungen zeigt Volkswagen, dass der Weg in die Zukunft nicht nur durch technische Innovationen geebnet wird, sondern auch durch eine Anpassung der internen Strukturen und Prozesse. Wolfsburg bleibt ein zentraler Standort für diesen Wandel, während das Unternehmen gleichzeitig die Herausforderungen des Marktes annimmt und auf die Bedürfnisse der Kundschaft reagiert.