Wolfsburg, die Stadt, die wie ein Magnet für Volkswagen wirkt, hat in den letzten Wochen eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebt. Der VfL Wolfsburg, der stolz als „Werkself“ bekannt ist, hatte eine aufregende, aber auch turbulente Saison, die in einem Abstieg aus der Bundesliga endete. Kaum zu glauben, dass der Verein, der 29 Jahre lang ununterbrochen in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten war, nun in der 2. Bundesliga spielt. Der Abstieg kam nach einer knappen Relegation gegen den SC Paderborn, in der die Wolfsburger nicht den Fuß auf den Boden bekamen. Das Hinspiel endete 0:0, und im Rückspiel stand das Team ab der 14. Minute in Unterzahl – eine echte Herausforderung, die letztlich in einer 1:2-Niederlage gipfelte.
Die Mannschaft, die 2009 die Deutsche Meisterschaft unter Trainer Felix Magath errang und 2015 den DFB-Pokal sowie den DFL-Supercup gewann, sieht sich nun mit einer schweren Zeit konfrontiert. Die finanzielle Unterstützung von Volkswagen, dem größten Arbeitgeber der Stadt und Hauptsponsor des Vereins, wird drastisch gekürzt. Statt der bisherigen 80 Millionen Euro wird der Etat auf etwa 55 Millionen Euro gesenkt. Das bedeutet nicht nur Einschnitte für die Profimannschaft, sondern auch für die Frauenmannschaft, die in dieser Saison Vizemeister wurde und mit einem kleineren Budget von geschätzten 5 bis 7 Millionen Euro auskommen muss. Eine echte Herausforderung, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz, allen voran Bayern München, nicht schläft.
Die Auswirkungen des Abstiegs
Mit dem Rückgang des Budgets leidet nicht nur die Frauenmannschaft, sondern auch die Jugendabteilung und die Infrastruktur des Vereins. Das Scouting wird schlechter, die Abwanderung von Jugendtrainern könnte zunehmen und auch die Trainingsqualität wird darunter leiden. Die Perspektive für talentierte 15- bis 18-jährige Spieler wird düsterer, was dazu führen könnte, dass sie zu anderen Bundesligisten abwandern. Andererseits könnte der Abstieg neuen U19- und U23-Spielern die Chance geben, sich im Profikader zu beweisen. Ein Lichtblick in einer ansonsten trüben Situation.
Trainer Dieter Hecking, der erst im März die Verantwortung übernahm, hat klargemacht, dass er die letzten zehn Wochen der Saison analysieren möchte. Sein zukünftiger Verbleib beim VfL und bei Volkswagen bleibt allerdings ungewiss. Nach dem Abpfiff des entscheidenden Spiels stellte sich kein Spieler kritischen Fragen, lediglich der verletzte Patrick Wimmer gab ein kurzes Interview. Die Enttäuschung war groß. Diego Benaglio, ein Aufsichtsratsmitglied und ehemaliger Torhüter, sprach von einer großen Enttäuschung über den Abstieg. Die Fans fragen sich, wie es weitergeht.
Ein neuer Weg
Mit einem Kaderwert von 234,6 Millionen Euro, dem achtwertvollsten in der Liga, muss der VfL Wolfsburg einige Spieler verkaufen, um die finanziellen Verluste zu kompensieren. Namen wie Mohamed Amoura, Konstantinos Koulierakis und Kamil Grabara könnten bald auf dem Transfermarkt zu finden sein. Die Spieler werden voraussichtlich 35 Prozent ihres Gehalts einbüßen müssen, um in der 2. Liga zu bleiben, was den Druck auf die Mannschaft erheblich erhöht.
Auf der einen Seite hat der VfL Wolfsburg das Glück, dass die finanzielle Unterstützung von Volkswagen es dem Klub ermöglicht, den Abstieg besser zu verkraften als viele andere Vereine. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob diese Kürzungen langfristig die richtigen Entscheidungen sind. Die kommende Saison in der 2. Bundesliga wird für den Verein eine große Herausforderung, aber vielleicht auch eine Chance, neu durchzustarten.