Hilferuf aus der Automobilmetropole: Oberbürgermeister warnen vor drohendem Arbeitsplatzverlust
In den letzten Wochen ist eine besorgniserregende Entwicklung in der deutschen Automobilbranche zu beobachten. Mehrere Oberbürgermeister deutscher Großstädte, unter anderem aus Stuttgart, Wolfsburg, Friedrichshafen und Saarbrücken, haben sich in einem offenen Brief an die EU-Kommission gewandt. Ihr Anliegen? Mehr Unterstützung für die Autobauer und Zulieferer, die unter dem Druck wirtschaftlicher Unsicherheiten und hoher Energiepreise leiden. Der Brief richtet sich direkt an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und hebt die Sorgen der Bürgermeister über potenzielle Arbeitsplatzverluste und fehlende Perspektiven hervor. Gerade in Zeiten, in denen die Automobilindustrie ohnehin schon in der Schusslinie steht, ist dies ein Aufruf, der nicht ignoriert werden sollte.
Die Situation ist ernst. Laut dem Verband der Automobilindustrie sind seit 2019 rund 100.000 Arbeitsplätze in der deutschen Automobilbranche verloren gegangen. Ein besorgniserregender Trend, der sich fortsetzen könnte. Ohne politische Kurskorrekturen drohen bis 2035 weitere 225.000 Arbeitsplätze verloren zu gehen. In den betroffenen Städten hängen über 800.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobil- und Zulieferindustrie ab. Das ist nicht einfach nur eine Zahl – das sind Familien, Existenzen und ganze Lebensentwürfe.
Wirtschaftliche Unsicherheit als ständiger Begleiter
Die Oberbürgermeister fordern eine zügige Verabschiedung des geplanten „Automotive Package“ der EU. Ein Paket, das die Zulassung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren über 2035 hinaus ermöglichen soll. Sie betonen, dass die Industrie nicht bis 2027 auf Entscheidungen warten kann – Investitionen müssen jetzt getätigt werden, nicht irgendwann in der Zukunft. Jeder Monat, in dem es an klarer politischer Orientierung mangelt, erhöht das Risiko von Standortverlagerungen und Investitionsabflüssen. Diese Unsicherheit macht es den Unternehmen schwer, ihre Pläne zu schmieden und das Vertrauen in den Standort Deutschland aufrechtzuerhalten.
Besonders die Chefs großer Autohersteller sind alarmiert und fordern Entlastungen, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Der Zeitplan des europäischen Automotive Package wird kritisch betrachtet – viele befürchten, dass Entscheidungen erst im ersten Quartal 2027 in konkrete Maßnahmen münden sollen. Die Angst vor einem Verlust an Wertschöpfung ist groß, denn das könnte ganze Regionen betreffen. Der Druck wächst, nicht nur von den Oberbürgermeistern, sondern auch von den Akteuren der Branche selbst.
Aktuelle Zahlen und die Realität der Branche
Die jüngsten Zahlen aus dem Verarbeitenden Gewerbe sind alarmierend. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Beschäftigtenzahl im verarbeitenden Gewerbe um 120.300 oder 2,2% gesunken. Besonders betroffen ist die Automobilindustrie: Ein Rückgang um 48.700 Beschäftigte oder 6,3% macht die Runde. Am Ende des dritten Quartals 2025 waren dort nur noch 721.400 Beschäftigte tätig – der tiefste Stand seit 2011. Die Automobilindustrie bleibt zwar die zweitgrößte Industriebranche nach dem Maschinenbau, doch die Dynamik ist bedenklich.
Die Zulieferer in der Automobilindustrie sind besonders stark betroffen. Die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren verzeichnete einen Rückgang um 3,8%, und der Bereich der Teile und Zubehör für Kraftwagen sogar um 11,1%. Die Frage, die sich vielen stellt: Wie lange kann die Branche das noch durchhalten? Die Nahrungsmittelindustrie als einzige große Branche mit einem Zuwachs wirkt da fast wie ein Fremdkörper in einer ansonsten trüben Lage.
Ein Aufruf zur Unterstützung ist also mehr als nur ein leeres Wort. Es ist ein dringender Appell an die Politik, die Rahmenbedingungen für die Automobilbranche zu verbessern und so die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern. Denn ohne zukunftsweisende Entscheidungen könnte das, was einst das Rückgrat der deutschen Wirtschaft war, ins Wanken geraten. Und das möchte wirklich niemand erleben.
