In den letzten Wochen hat sich die Lage für die Schafhalter im Landkreis Grafschaft Bentheim dramatisch zugespitzt. Anfang Mai 2026 wurden in Füchtenfeld schockierende 70 Schafe in mehreren Nächten von Wölfen gerissen. Die Bilder, die die Schäfer dabei ertragen mussten, sind nichts für schwache Nerven. Zwei Wölfe wurden zum Abschuss freigegeben, doch bislang ist nichts passiert. Schäfer Michael Dircks hat seine Schafe aus Angst vor weiteren Übergriffen sicherheitshalber im Stall untergebracht – und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Die Situation ist angespannt. Neben den getöteten Schafen sind etwa 70 Tiere verletzt worden. Dircks wartet sehnlichst auf das Signal, um seine Schafe endlich wieder auf die Weide zu lassen, denn das Futter dort ist einfach besser. Aber die Ungewissheit über die zukünftigen Schutzmaßnahmen im Dalum-Wietmarscher Moor sorgt für zusätzliche Nervosität. Michael Diekamp von der Staatlichen Moorverwaltung hat angedeutet, dass möglicherweise Schutzmaßnahmen ausgeweitet werden sollen. Doch das ist alles andere als sicher.

Das Dilemma mit den Wölfen

Die Freigabe der zwei Wolfsrüden zum Abschuss ist an Bedingungen geknüpft, insbesondere an den Elterntierschutz. Jäger halten sich zurück, um nicht versehentlich Elterntiere zu treffen, die für die Aufzucht der Jungtiere wichtig sind. Und der Elterntierschutz endet erst am 1. Juli 2026. Jäger Gerhard Plöns hat einen Vorschlag gemacht: Jungwölfe sollten von Juli bis Herbst zur Jagd freigegeben werden. Aber ob das tatsächlich so kommt? Das bleibt abzuwarten.

Dircks hat auch von umgerissenen Zäunen und sabotierten Elektrozäunen berichtet. Dieses ganze Chaos macht die Situation für die Schafhaltung nicht einfacher. Die Behörden vermuten zwei Wölfe hinter dem Angriff auf die Schafherde. Was das für die Zukunft der Weidetierhaltung bedeutet, ist unklar.

Wölfe und Weidetiere – ein heikles Verhältnis

Die Wölfe breiten sich in Deutschland weiter aus, was für den Artenschutz als Erfolg gewertet wird, aber die Schattenseiten sind nicht zu übersehen. Der Wolf war fast 150 Jahre lang in Deutschland ausgerottet, bis 1998 ein Wolfspaar in Sachsen wieder auftauchte. Im Monitoringjahr 2024/2025 wurden bereits 219 Rudel, 43 Wolfspaare und 14 Einzelwölfe gezählt. Die meisten Wölfe leben in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

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Wölfe stellen eine ernsthafte Gefahr für Weidetiere dar, besonders für Schafe und Ziegen, wenn keine Herdenschutzmaßnahmen vorhanden sind. Rinder und Pferde sind seltener betroffen, da sie größer und wehrhafter sind. Interessanterweise gab es im Jahr 2024 insgesamt 1.109 Übergriffe durch Wölfe, bei denen über 4.300 Tiere, darunter 3.781 Schafe, geschädigt wurden. Vor zehn Jahren waren es nur 125 Übergriffe mit 377 betroffenen Tieren. Ein deutlicher Anstieg, der die Schäfer immer mehr unter Druck setzt.

Herdenschutzmaßnahmen wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde können die Schäden zwar verringern, sind aber kostspielig und oftmals nicht die endgültige Lösung. Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb eine jagdliche Regulierung von Wölfen, da die Schutzmaßnahmen nicht immer effektiv sind. Seit Ende 2023 dürfen auffällige Wölfe unter bestimmten Bedingungen ohne DNA-Analyse entnommen werden. Eine Neuregelung, die am 17. Dezember 2025 in Kraft trat, hat den Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen. Das schafft einen klareren rechtlichen Rahmen für den Abschuss einzelner Wölfe.

Die Bundesregierung betont jedoch, dass diese Neuregelung kein Ersatz für Herdenschutzmaßnahmen ist. Naturschutzverbände kritisieren das und warnen vor möglichen Konflikten mit dem europäischen Artenschutzrecht. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt und welche Maßnahmen letztendlich ergriffen werden, um die Schafhaltung zu schützen und gleichzeitig den Artenschutz zu gewährleisten. Die Zeit wird zeigen, ob eine Lösung gefunden werden kann, die beiden Seiten gerecht wird.