Heute ist der 9.06.2026 und die Wellen der Nordsee rauschen sanft gegen die Küste von Wilhelmshaven. Hier, in dieser charmanten Stadt, die nicht gerade als kulturelles Zentrum der Region bekannt ist, fand eine bemerkenswerte Lesung statt. Marica Bodrožić, eine Autorin, die man sich unbedingt merken sollte, präsentierte Texte aus ihrem neuesten Werk „Tage mit zirpenden Planeten“. Diese Lesung war Teil des elften Jahres des Stipendiums „Literarischer Landgang“, das es Schriftstellern ermöglicht, die Nordwest-Region zu erkunden und anschließend ihre Erlebnisse in Form von Lesungen zu teilen.

Bodrožić, die 1973 in Dalmatien geboren wurde und mit zehn Jahren nach Deutschland kam, hat bereits in zahlreichen Sprachen veröffentlicht. Ihre Texte sind tiefgründig und thematisieren das Heranwachsen unter Migrationsbedingungen sowie die Identitätsfrage in einem modernen Europa. Mit einer Ausbildung zur Buchhändlerin und einem Studium der Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik im Gepäck, bringt sie viel Erfahrung in ihr Schreiben ein. Es war wirklich spannend, ihre Gedanken über die Verbindung zur Natur zu hören – sie bezeichnete den kreativen Prozess als einen Geburtsprozess, der durch KI nicht ersetzt werden kann.

Ein Blick in die Inspiration

Das Publikum in Wilhelmshaven war aufmerksam und interessiert, auch wenn der Raum nicht überfüllt war. Monika Eden, die Leiterin des Oldenburger Literaturhauses, begleitete die Lesereise als Projektleiterin und Moderatorin. Ihre Anwesenheit verlieh dem Abend eine besondere Note. Bodrožić sprach auch über ihre Erlebnisse in der Region, darunter die Begehung des Planetenwegs in Nordenham, der sie dazu anregte, in anderen Dimensionen zu denken. Diese Gedanken über die Natur und das Universum scheinen sich in ihren Texten widerzuspiegeln und machen sie zu einer einzigartigen Stimme in der zeitgenössischen Literatur.

Besonders berührend war ihr Dialog beim Jüdischen Friedhof in Jever, wo sie den letzten jüdischen Mitbürger Fritz Levi erwähnte und eine tiefe Verbindung zur Vergangenheit herstellte. Auch die Erkundung der Nordwolle in Delmenhorst, die Erinnerungen an ihre Mutter hervorrief, zeugt von ihrem persönlichen Zugang zu den Themen, die sie behandelt. Wilhelmshaven, so erklärte sie, habe keinen großen Platz in der literarischen Landschaft, aber die Stadt hat ihren eigenen Charme – das Rosarium erlebte sie als eine duftende Oase, ein Ort der Ruhe und des Nachdenkens.

Von der Heimat ins Unterwegssein

Bodrožićs literarisches Werk, darunter ihr Debüt „Tito ist tot“ von 2002 und ihr neuester autofiktionaler Roman „Das Herzflorett“, der 2024 erscheinen wird, spiegelt ihre eigene Reise wider. Ihre Themen – problematische Familienverhältnisse, Emanzipationsprozesse und das „Grenzgänger“-Sein – sind nicht nur individuell, sondern auch universell. Mit zahlreichen Auszeichnungen, darunter der Walter-Hasenclever-Literaturpreis und der Manès-Sperber-Literaturpreis, wird ihr Schaffen gewürdigt. Mit einem breiten Spektrum an Gedichten, Romanen, Erzählungen und Essays hat sie sich in über sechzehn Sprachen einen Namen gemacht.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Lesung in Wilhelmshaven war ein Teil eines größeren Projekts, das nicht nur die Literatur, sondern auch die regionale Identität thematisiert. Bodrožićs Geschichten laden dazu ein, die eigene Geschichte zu hinterfragen und die Vielfalt der Erfahrungen zu feiern, die uns alle prägen. Und so bleibt der Abend in Wilhelmshaven nicht nur ein literarisches Ereignis, sondern auch ein Zeichen für die Kraft der Worte und die Bedeutung des Geschichtenerzählens in unseren Leben.