Heute ist der 11.06.2026, und die Stadt Wilhelmshaven steht unter dem Eindruck eines unvorstellbaren Vorfalls. Vor wenigen Tagen wurden drei Stolpersteine, die der Familie Hirschberg gewidmet sind und an deren grausames Schicksal im Konzentrationslager Auschwitz erinnern, gestohlen. Diese Gedenksteine, die erst Ende Mai feierlich verlegt wurden, sind nun spurlos verschwunden. Das Entsetzen über den Diebstahl ist in der Bevölkerung groß.
Die Stolpersteine sind nicht einfach nur Steine; sie sind ein emotionales Mahnmal, das an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Das Projekt „AG Stolpersteine“ wurde von Schülerinnen und Schülern der Cäcilienschule und der Franziskus-Oberschule ins Leben gerufen. Die Idee entstand im Geschichtsunterricht und führte bereits im Frühjahr 2025 zur Verlegung der ersten 20 Gedenksteine in Wilhelmshaven. Die Lehrerin Beate Schwarz von der Franziskusschule äußerte sich entsetzt über den Vorfall und die Motivation hinter diesem schrecklichen Diebstahl. Was bringt jemanden dazu, das Andenken an so leidvolle Geschichten zu entweihen?
Ermittlungen und Trauer
Die Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland hat bereits Ermittlungen wegen schweren Diebstahls aufgenommen. Der Diebstahl wurde am Mittag des folgenden Tages gemeldet – ein schockierender Nachgeschmack nach einem Gedenkgang, an dem etwa 150 Teilnehmer teilnahmen. Dabei wurden die Biografien jüdischer Wilhelmshavener vorgestellt, und die Atmosphäre war von Respekt und Trauer geprägt. Am Abend erfuhr die Lehrerin Schwarz über soziale Medien von dem Vorfall, was die Betroffenen zusätzlich erschütterte. Die Fragen zur Motivation des Diebstahls bleiben unbeantwortet, und die Trauer um die verschwundenen Gedenksteine ist spürbar.
Um der schockierenden Tat entgegenzutreten, wurde einige Tage nach dem Vorfall eine Mahnwache abgehalten. Die Gemeinschaft zeigt sich solidarisch und will ein Zeichen setzen. Die Stolpersteine sollen ersetzt werden, und neue Steine sind bereits in Arbeit. Das Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das in ganz Deutschland über 100.000 Stolpersteine umfasst, steht vor der Herausforderung, nicht nur die Erinnerung wachzuhalten, sondern auch die Täter zur Verantwortung zu ziehen.
Ein Zeichen der Hoffnung
Die Stolpersteine sind nicht nur Steine, sie sind Teil einer lebendigen Erinnerungskultur. Sie erinnern uns an die dunklen Kapitel unserer Geschichte und mahnen uns, die Lektionen der Vergangenheit nicht zu vergessen. Leider sind Diebstähle und Beschädigungen von Stolpersteinen in Deutschland ein bekanntes Problem, dokumentiert von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Diese Vorfälle gefährden das Gedächtnis an die Opfer und die Aufarbeitung unserer Geschichte.
Trotz des schmerzlichen Verlustes zeigen die Schulen in Wilhelmshaven, dass das Engagement für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ungebrochen bleibt. Die Schülerinnen und Schüler der Cäcilienschule, die sich seit dem Schuljahr 2024/25 in diesem Projekt engagieren, sind ein Beispiel für die Zukunft. Sie tragen das Feuer der Erinnerung weiter, und das ist vielleicht das Wichtigste, was wir tun können: die Geschichten der Opfer lebendig zu halten.