In Wilhelmshaven wird in den kommenden Tagen ein ganz besonderes Zeichen gesetzt. Am 29. Mai werden Stolpersteine an den letzten Wohnorten von Josefa Egberts und anderen Verfolgten des Nationalsozialismus verlegt. Diese kleinen, aber eindrucksvollen Gedenktafeln aus Messing sind nicht nur einfache Steine; sie tragen die Namen von Menschen, die in einer dunklen Zeit leiden mussten. Sie erinnern uns an die Opfer, die unter dem Regime litten – darunter auch Euthanasie-Opfer wie Josefa Egberts.
Josefa wurde am 30. April 1893 in Wittmund geboren und wuchs in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf. Sie bekam eine humanistische Ausbildung und zeigte schon früh ein großes künstlerisches Talent. 1919 begann sie ein Kunststudium in München und setzte ihre Ausbildung später in Berlin fort. Doch das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Ab 1924 erkrankte sie schwer – sowohl körperlich als auch seelisch. Diese Erkrankungen führten zu ihrer Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung, wo ihr künstlerisches Schaffen zunehmend erschwert wurde.
Das traurige Schicksal der Josefa Egberts
Im Jahr 1930 starb ihre Mutter, und 1934 folgte der Tod ihres Vaters. Ab 1939 verschlechterten sich die Bedingungen in psychiatrischen Einrichtungen durch die Politik des Nationalsozialismus. Josefa wurde 1941 im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ von der Anstalt in Osnabrück in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt. Am 10. Juni 1941 fand ihr Leben dort ein tragisches Ende – sie wurde vermutlich in der Gaskammer ermordet. Ihre Familie erhielt einen „Trostbrief“ mit einer falschen Todesursache. Ihre Urne wurde 1941 auf dem Friedhof in Wilhelmshaven beigesetzt.
In der Erinnerung an Josefa und viele andere Opfer wird am 30. Mai eine Gedenkveranstaltung am Synagogenplatz stattfinden, gefolgt von einem Spaziergang. Ein Projekt von 13 Schülerinnen und drei Lehrerinnen in Wilhelmshaven widmet sich zudem der Geschichte jüdischer Mitmenschen. Es ist eine wichtige Aufgabe, diese Geschichten am Leben zu halten.
Stolpersteine – ein lebendiges Gedächtnis
Stolpersteine sind nicht einfach nur Gedenktafeln. Sie sind ein Teil der Straße, ein Teil des Lebens und eine Verbindung zu den Geschichten der Menschen, die einst dort lebten. Gunter Demnig, der Initiator dieser bewegenden Aktion, sagt: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Die kleinen Steine erinnern uns daran, dass Geschichte nicht nur in Büchern steht, sondern auch in unseren Städten und in den Straßen, die wir täglich entlanggehen.
In über 500 Orten in Deutschland und anderen europäischen Ländern sind Stolpersteine verlegt. Bis Januar 2015 gab es bereits mehr als 50.000 dieser Mahnmale. Sie gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Jeder Stein erzählt die Geschichte eines Menschen – ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.
Die Verlegung der Stolpersteine in Wilhelmshaven ist mehr als ein Akt des Gedenkens; es ist ein Schritt, um das Bewusstsein für die Opfer der NS-Zeit lebendig zu halten. Denn diese Erinnerungen, so schmerzhaft sie auch sein mögen, sind wichtig, um die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und so wird auch die Geschichte von Josefa Egberts in den Straßen von Wilhelmshaven weiterleben.