In Wilhelmshaven wird derzeit groß angelegt geübt: Vom 22. bis 26. April 2026 findet die SAREx (Search And Rescue Exercise) statt, eine umfassende Such- und Rettungsübung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Diese Übung dient nicht nur der Auffrischung der Kenntnisse, sondern auch der Vorbereitung auf den Ernstfall. Sieben Rettungseinheiten, darunter verschiedene Seenotrettungskreuzer und das Zollschiff „Friesland“, sind daran beteiligt, um den Herausforderungen des maritimen Notfalls gerecht zu werden.
Die Übung hat einen klaren Fokus: die Koordinierung gemeinsamer Einsätze. Die Szenarien, die während der Übung durchgespielt werden, werden den Teilnehmern erst bei Alarmierung mitgeteilt, um die realistischen Bedingungen einer echten Rettungsaktion zu simulieren. Zur Unterstützung der Seenotretter sind auch Hubschrauber und externe Schiffe an Bord, was die Komplexität und den Lerneffekt der Übung erhöht.
Realitätsnahe Einsatzszenarien
Am zweiten Übungstag meldete eine Kutterbesatzung eine Notlage, als ein Fischkutter ohne Fahrt in Richtung Muschelbänke driftete. Die freiwillige Seenotretterin Sabrina Most hatte gerade ihren Kollegen Jannick Budahn auf der MERVI abgelöst, als sie auf die alarmierende Situation stießen. Bei der Annäherung an das havarierte Schiff hörten sie markerschütternde Schreie und sahen eine Frau, die hektisch winkte. Diese gehörte zu den Verletztendarstellern des Emergency Training Group (ETG) von I.S.A.R. Germany, die während der Übung die emotionalen und physischen Herausforderungen der Rettungsaktion simulieren.
Die Besatzung der MERVI, die bereits Erfahrung mit der Suche nach vermissten Stehpaddlern hat, musste schnell die Lage an Bord des Havaristen erkunden. Wichtige Fragen mussten geklärt werden: Wer ist an Bord? Gibt es Vermisste? Wie ist der Zustand des Schiffes? Solche Informationen sind entscheidend, um die Einsatzkräfte optimal auf medizinische Notfälle wie Unterkühlungen, offene Brüche oder Atemstillstand vorzubereiten.
Herausforderungen und Teamarbeit
Die Übung bringt nicht nur technische Herausforderungen mit sich, wie Wassereinbrüche oder driftende Gefahrenbereiche, sondern auch psychosoziale Elemente. Die Darsteller simulieren Ängste, Panik und starke Schmerzen, was die Rettungskräfte vor große Herausforderungen stellt. Umso wichtiger ist das regelmäßige Training, das die DGzRS durchführt – denn nur so bleiben die Seenotretter rund um die Uhr und bei jedem Wetter einsatzbereit.
Ein Beispiel für die Relevanz dieser Übungen ist ein Einsatz, bei dem die DGzRS-Stationen in Büsum und Nordstrand über neun Stunden tätig waren, um einen Fischkutter mit Maschinenschaden zu retten. Solche realistischen Szenarien und der ständige Austausch mit anderen Einheiten sind entscheidend für die Effizienz und Sicherheit bei echten Notfällen auf See.
Ein Blick in die Zukunft
Die SAREx ist seit 2012 fester Bestandteil des Trainingskonzepts der DGzRS. Mit der nächsten Übung im September 2025 vor Neustadt und den ständigen Weiterentwicklungen in der Ausbildung wird die Zusammenarbeit zwischen Seenotrettern und Luftrettung weiter verbessert. Geplant ist auch eine Dokuserie, die monatelang die Arbeit der Seenotretter begleitet und die Menschen hinter den Einsätzen zeigt.
Wilhelmshaven, als Gastgeber dieser Übung, trägt somit nicht nur zur Sicherheit auf See bei, sondern zeigt auch, wie wichtig Teamarbeit und regelmäßiges Training für die Seenotretter sind, die sich jeden Tag aufs Neue dem Einsatz für das Leben von Schiffbrüchigen verschreiben.