In Niedersachsen brodelt es in der Kulturszene. Am 29. April 2026 versammeln sich Kulturschaffende in Hannover zu einer Großdemonstration unter dem Motto „Wie oft denn noch?“. Organisiert von #rettedeintheater, dem GDBA Landesverband Nord und weiteren Gewerkschaften, richtet sich der Protest gegen die strukturelle Unterfinanzierung, die die kommunalen Theater in ihrer Existenz bedroht. Die Rücklagen vieler Theater sind aufgebraucht, und die Forderungen nach einer Übernahme der Tariferhöhungen werden lauter.

Die Situation ist dramatisch: Das Land Niedersachsen hat sich 2019 aus der Mitfinanzierung der Tarifsteigerungen zurückgezogen. Seither stehen die Theater vor enormen Herausforderungen und müssen steigende Kosten selbst bewältigen. Einmalzahlungen über die „politische Liste“ können die hohen Energiekosten und Tarifsteigerungen nicht abfedern. Die Kulturschaffenden fordern daher, dass zwei Prozent des Landeshaushaltes für den Kulturbereich bereitgestellt werden – aktuell sind es lediglich 0,8 Prozent. Kommunale Einrichtungen benötigen dringend 25 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre, um die nicht übernommene Tarifsteigerung auszugleichen.

Die Dringlichkeit der Sache

Silke Köhler von ver.di bringt es auf den Punkt: „Hochqualifizierte Kunstarbeiter*innen müssen angemessen bezahlt werden.“ Die Warnungen vor verschärften Sparzwängen und künstlerischen Einschränkungen in den Theatern sind nicht zu überhören. Die öffentliche Zuschüsse steigen nicht im gleichen Maße wie die Betriebskosten und die tariflich gebundenen Personalkosten. Ohne zusätzliche Gelder wird der Kulturabbau zur bitteren Realität, was nicht nur die künstlerische Landschaft, sondern auch die Lebensqualität und die Attraktivität des Standorts Niedersachsens gefährden könnte.

Die Dringlichkeit wird durch den anstehenden Doppelhaushalt 2027/2028 des Landes Niedersachsen noch verstärkt. Aktuell sind im Haushalt von Minister Falko Mohrs keine zusätzlichen Gelder für die Theater eingeplant. Das Land Niedersachsen hat im Vergleich zu anderen Bundesländern einen der letzten Plätze in Bezug auf die Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur inne.

Unterstützung für die freie Szene

Trotz aller Herausforderungen gibt es auch Lichtblicke: Niedersachsen unterstützt die freie Theater- und Tanzszene mit 500.000 Euro für 37 Produktionen in diesem Jahr. Für die Jahre 2025 bis 2027 sind jährlich 500.000 Euro für 27 freie Theater zur konzeptionellen Weiterentwicklung eingeplant. Diese Förderungen sollen die Planungssicherheit erhöhen und innovative Konzepte im Theaterbetrieb unterstützen. Die geförderten Produktionen befassen sich mit drängenden gesellschaftlichen Themen wie Ängsten, gesellschaftlicher Spaltung und Fake News.

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Die Spielstättenförderung wird erstmals für drei Jahre vergeben, um die Entwicklung des Theaterbetriebs zu stärken. 19 Spielstätten der professionellen freien Theater- und Tanzszene erhalten jährlich insgesamt 450.000 Euro Förderung über drei Jahre. Diese Maßnahmen sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch die finanziellen Engpässe der Theater sind damit nicht gelöst.

Am 11. Mai wird eine Postkartenaktion mit 15.000 Unterschriften zur Unterstützung der Theater an Minister Falco Mohrs übergeben. Die Kulturschaffenden zeigen damit, dass sie bereit sind zu kämpfen – für eine nachhaltige und verlässliche Finanzierung der niedersächsischen Theater und für die kulturelle Vielfalt in Niedersachsen. Die kommenden Wochen und Monate werden entscheidend sein für die Zukunft der Kulturszene in unserem Land.