Die Stadt Weilheim verabschiedet sich von ihrem langjährigen Patenboot „Weilheim“, das nach 67 Jahren ausgemustert und schließlich abgewrackt wird. Das Minenjagdboot mit der Rumpfnummer M 1077 war von 1959 bis 1995 im Dienst und hat seit 1998 im Marinemuseum Wilhelmshaven sein Zuhause gefunden. Doch nun sind die Schäden an der Außenhaut und am Unterwasserschiff so gravierend, dass eine Sanierung nicht mehr möglich ist. Der Bohrwurm hat, begünstigt durch jahrelange Untätigkeit, das Holzboot stark in Mitleidenschaft gezogen.

Eine vollständige Restaurierung des Bootes würde enorme Kosten von etwa einer Million Euro verursachen, die das Museum nicht stemmen kann. Ein Gutachten aus dem Jahr 2025 bestätigte die erheblichen Schäden, die durch Feuchtigkeit entstanden sind. Theoretisch besitzt das Boot noch ein Schwimmfähigkeitszeugnis bis 2030, doch die Realität sieht anders aus: Die „Weilheim“ liegt derzeit in Kiel und muss in eine Werft, da es an Personal in der deutschen Marine mangelt.

Ein schwerer Abschied

Die Entscheidung zur Aussonderung des Bootes stößt auf erheblichen Widerstand. Zahlreiche Bürger haben sich negativ zu diesem Schritt geäußert, denn die Patenschaft zwischen der Stadt Weilheim und ihrem Boot wird von vielen als etwas Besonderes betrachtet. Es sind bereits Pläne für eine Abschiedsfeier am 31. Oktober 2026 in Wilhelmshaven in Gange, bei der die alte Besatzung und der Bürgermeister von Weilheim eingeladen werden. Bis zu diesem emotionalen Höhepunkt wird die „Weilheim“ noch im Marinemuseum besichtigt werden können.

Für die Erhaltung der Erinnerung an das Boot hat das Museum beschlossen, Teile des Bootskerns in seine Sammlung aufzunehmen. Zudem sind zwei Videoprojekte mit ehemaligen Fahrern in Planung, und die Möglichkeit eines 3D-Projekts wird ebenfalls geprüft. Freiwillige der Marinekameradschaft Weilheim haben sich zudem vorgenommen, im August 2026 nach Wilhelmshaven zu fahren, um letzte Arbeiten am Boot durchzuführen.

Die Geschichte der Minenjagdboote

Das Minenjagdboot „Weilheim“ ist Teil einer langen Tradition der deutschen Marine, die ihren Minenjägern Namen von deutschen Städten gibt. Diese Boote, die im Heimathafen Kiel stationiert sind, gehörten ursprünglich zum 5. Minensuchgeschwader, welches 2015 aufgelöst wurde, und sind nun Teil des 3. Minensuchgeschwaders. Im Rahmen des zweiten Bauloses der Klasse 332, zu dem auch die „Weilheim“ gehört, wurden zahlreiche Boote gefertigt, die bis heute im Einsatz sind.

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Die „Weilheim“ selbst wurde am 26. Februar 1998 bei Lürssen vom Stapel gelassen und ging am 26. November 1998 in Dienst. Auch wenn sie künftig nicht mehr zur Marine gehören wird, bleibt ihr Erbe in Form von Erinnerungen und historischen Dokumentationen lebendig.

Die Schließung des Museumshafens für zwei Jahre, im Zuge einer Neukonzeption des Museums, wird ebenfalls mit Spannung erwartet. Das Marinemuseum Wilhelmshaven plant, die Ausstellung zu modernisieren und die Geschichte der Minenjagdboote noch eindrucksvoller zu präsentieren, um das Erbe der „Weilheim“ und ihrer Schwesterschiffe gebührend zu würdigen.