Inmitten der malerischen Kulisse von Vechta, wo sich Tradition und Moderne die Hand geben, wird ein wegweisendes Projekt ins Leben gerufen. Die Universität Vechta hat ein Onboarding-Programm für ausländische Pflegekräfte entwickelt, und das ist dringend nötig. Denn Deutschland hat einen enormen Bedarf an Pflegekräften, und viele Fachkräfte aus dem Ausland suchen zwar Jobs, verlassen das Land jedoch oft wieder. Warum? Hauptsächlich wegen bürokratischer Hürden, Sprachbarrieren und sozialer Isolation. Hier setzt das neue Programm an, das nicht nur die berufliche Integration, sondern auch die gesellschaftliche Teilhabe fördert.
Fast jede fünfte Pflegekraft in Deutschland stammt mittlerweile aus dem Ausland. Seit 2022 wird das Beschäftigungswachstum in der Pflege sogar ausschließlich von diesen internationalen Fachkräften getragen. Doch das drohende Szenario ist ernüchternd: Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes könnten bis 2049 bis zu 690.000 Pflegefachkräfte fehlen. Professorin Dr. Vanessa Mertins von der Universität Vechta betont, dass es nicht nur darum geht, neue Pflegekräfte zu gewinnen. Vielmehr ist es entscheidend, diese auch im Land zu halten. Das Tandem-Programm bringt ausländische Pflegekräfte mit Studierenden der Universität zusammen, um genau dies zu erreichen.
Ein innovativer Ansatz zur Integration
Das Tandem-Programm bietet den ausländischen Pflegekräften nicht nur Unterstützung beim Ankommen in Deutschland, sondern auch Sprachübungen und Einblicke in den deutschen Alltag. Die Studierenden können dabei wertvolle Erfahrungen in interkultureller Kommunikation sammeln und erhalten einen tiefen Einblick in die Herausforderungen und Chancen der Pflege. Wöchentliche Treffen für Aktivitäten, Sprachaustausch und persönliche Begegnungen sind Teil dieses Ansatzes. Außerdem wird digitale Unterstützung durch E-Learning-Tools bereitgestellt – eine praktische Brücke in die neue Welt.
Eingebettet in die Region wird das Programm von Sabine Behrens, der Koordinatorin für Integration beim Landkreis Vechta, tatkräftig unterstützt. Auch ehemalige Studierende der Universität, die mittlerweile in Schlüsselpositionen arbeiten, stehen den neuen Fachkräften zur Seite. Der Fokus liegt darauf, persönliche Beziehungen aufzubauen und echte Begegnungen zu schaffen, denn Integration ist weit mehr als nur Spracherwerb und Arbeit. Sie umfasst auch gesellschaftliche Teilhabe und die Möglichkeit, Teil der Gemeinschaft zu werden.
Ein Zeichen für faire Anwerbung
Die Bedeutung der Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bestehende Hürden abzubauen und Pflegeeinrichtungen dazu zu bringen, auf faire Anwerbung und gute Integration internationaler Fachkräfte zu achten. Das Gütezeichen „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“ steht für transparente Rekrutierungsprozesse und schützt diese Fachkräfte vor übermäßigen wirtschaftlichen Risiken. Zudem arbeiten die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und deutsche Universitäten in den Global Skills Partnerships zusammen, um pflegerelevante Studiengänge in Partnerländern zu modifizieren. So wird die Anerkennung in Deutschland ermöglicht, und internationale Pflegefachkräfte dürfen sogar direkt nach ihrer Ankunft in ihrem erlernten Beruf arbeiten.
In Vechta wird mit dem Onboarding-Programm ein wichtiger Schritt unternommen, um den Herausforderungen in der Pflege zu begegnen. Es zeigt sich, dass mit Engagement und innovativen Ansätzen eine bessere Integration und somit ein wertvoller Beitrag zur Pflege in Deutschland geleistet werden kann. Die Zeichen stehen auf Veränderung – und das ist mehr als nur ein Hoffnungsschimmer.