In Vechta brodelt es gerade gewaltig. Höffmann Reisen, ein Traditionsunternehmen, das seit 37 Jahren in der Ausbildung aktiv ist, hat ein ernstes Problem. Die Eintragung von zwei neuen Ausbildungsverträgen steht noch aus. Seniorchef Hans Höffmann ist sichtlich verärgert und spricht in einem Interview von Ignoranz und Schikane seitens der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Diese stützt sich bei ihrer Weigerung zur Eintragung auf technische Probleme und angeblich unzureichende Schulbesuche der Auszubildenden. Ein bisschen wie ein böser Witz, oder?
Die Verträge wurden bereits im Februar eingereicht. Bis heute, dem 3. Mai 2026, hat sich jedoch nichts getan. „Das ist nicht nur frustrierend, sondern hat auch handfeste finanzielle Folgen für die betroffenen Familien“, so Höffmann. Ohne die Bestätigung der IHK können die Eltern kein Kindergeld für ihre Auszubildenden beantragen. Die Situation wird immer skurriler, wenn man bedenkt, dass Höffmann Reisen über 100 Auszubildende erfolgreich ausgebildet hat und aktuell sogar die beste Auszubildende im Bereich der Tourismuskaufleute im gesamten Kammerbezirk stellt. Da fragt man sich doch, was bei der IHK schief läuft.
Vorwürfe und Missverständnisse
Höffmann ist nicht bereit, die Darstellung der IHK einfach so hinzunehmen. Er weist vehement zurück, dass die Teilnahme am Berufsschulunterricht unzureichend war. „Der Praxiseinsatz ist schließlich Teil der Ausbildung und mit den Berufsschulen abgestimmt“, erklärt er. Der Seniorchef fordert mehr Transparenz und konkrete Informationen zu den angeblichen Anforderungen, die nicht erfüllt wurden. „Es wäre nur fair, wenn wir wissen würden, was genau das Problem ist“, fügt er hinzu. Der Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, lässt sich schwer abschütteln.
Die IHK selbst hat viel Verantwortung. Rund 167.000 Unternehmen bilden in IHK-Berufen aus und verwalten über 692.000 Azubis. Die IHKs sind dafür zuständig, neue Qualifikationsanforderungen zu ermitteln und Zwischen- sowie Abschlussprüfungen zu organisieren. 2024 wurden über 271.000 neue Ausbildungsverträge in IHK-Berufen unterzeichnet. Das zeigt, wie wichtig eine reibungslose Kommunikation und transparente Abläufe sind. Wenn die IHK hier nicht effizient arbeitet, gefährdet das die Zukunft junger Menschen.
Finanzielle Aspekte und die Auswirkung auf Familien
Die Verzögerung hat nicht nur bürokratische, sondern auch finanzielle Folgen. Ausbildungsgebühren betragen im Durchschnitt weniger als 2 Prozent der gesamten Ausbildungskosten. Dennoch können die betroffenen Familien nicht auf die gewohnten Unterstützungen zurückgreifen, während sie auf eine Antwort der IHK warten. Das ist ein echter Hammer. Höffmann Reisen hat in der Vergangenheit stets gute Arbeit geleistet, und jetzt stehen sie vor dieser Hürde.
Die IHKs engagieren sich zudem in der Integration von Geflüchteten und bieten Unterstützung bei der Berufsorientierung an Schulen. Man könnte vermuten, dass diese Organisationen über die nötigen Ressourcen verfügen, um eine solche Angelegenheit schnell zu klären. Doch stattdessen bleibt die Frage: Wo bleibt die Unterstützung für lokale Unternehmen, die sich um die Ausbildung von jungen Menschen kümmern?
Das alles wirft ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen Unternehmen und die IHKs konfrontiert sind. Höffmann Reisen ist nur ein Beispiel von vielen, aber es zeigt, wie wichtig es ist, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Die Ausbildung der nächsten Generation sollte schließlich nicht im Sand verlaufen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die IHK ihre Prozesse hinterfragt und für mehr Transparenz sorgt, damit solche Missverständnisse in Zukunft vermieden werden.