In den beschaulichen Gefilden Norddeutschlands, genauer gesagt im Landkreis Vechta, naht ein ganz besonderer Moment für die Schützenbruderschaften. Im September wird eine ehrwürdige Tradition fortgesetzt – die Übergabe einer historischen Fahne. Alexander Tetzlaff, Brudermeister der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Keyenberg, hat sich der Herausforderung angenommen, eine alte Seidenfahne aus dem Jahr 1951 zu konservieren. Die Übergabe an den neuen Hochmeister Max Freiherr Spies von Büllesheim wird beim Bundesschützenfest in Damme stattfinden. Ein Ereignis, das sowohl die Geschichte als auch die Gemeinschaft ehren wird!

Die Fahne, ein wahres Stück Heimatgeschichte, hat schon einige Reise hinter sich. Zerschlissene Stellen und bereits durchgeführte Reparaturen erzählen von den vielen Jahren, die sie im Dienst war. Tetzlaff, der seine Kunststickerei in Keyenberg betreibt und gleichzeitig Gemeindereferent im Pastoralen Raum Jüchen ist, weiß um den Wert solcher Symbole. Er hat sich intensiv mit der Restaurierung beschäftigt, nachdem die eigene Bruderschaftsfahne 2019 dringend überarbeitet werden musste. Ein Stickrahmen wurde angeschafft, und während der Corona-Pandemie erlernte er die Technik – eine Beschäftigung, die ihm nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch eine willkommene Auszeit von seiner geistig anstrengenden Arbeit bot.

Tradition trifft Kunsthandwerk

Die Kunststickerei ist mehr als ein Nebenerwerb für Tetzlaff. Es ist eine Leidenschaft, die sich in jedem einzelnen Stich widerspiegelt. Er hat nicht nur die alte Fahne konserviert, sondern auch neue Fahnen für Bruderschaften in Selfkant, Kalterherberg und Krefeld-Linn angefertigt. Seine Aufträge kommen vor allem von Schützenbruderschaften und Karnevalsvereinen. Im Bezirk Mönchengladbach gibt es 35 Bruderschaften, deren Fahnen alle 30 bis 35 Jahre restauriert werden müssen – einige sogar schon nach 20 Jahren. Ein wahres Schlaraffenland für einen Kunsthandwerker!

Doch wie läuft so eine Restaurierung eigentlich ab? Bei der Erhaltung einer Traditionsfahne wird die zerschlissene Fahne zunächst 1:1 abgezeichnet. Alte Stickereien werden sorgfältig aus dem Grundstoff herausgeschnitten und dann auf neuen, hochwertigen Stoff übertragen. Dabei bleibt die ursprüngliche Sticktechnik erhalten, was bedeutet, dass Geschicklichkeit und Einfühlungsvermögen gefragt sind. Beschädigte Elemente werden ausgebessert und fehlende Stickereien nachgestickt. Am Ende erhält die Fahne nicht nur neue Fransen und Aufhängungen, sondern wird auch so stabilisiert, dass sie wieder wie neu aussieht, dabei jedoch die alte Seele behält.

Ein Erbe für die Nachwelt

Die Restaurierung historischer Vereinsfahnen ist nicht nur eine Frage des Handwerks, sondern auch des Erhalts von Geschichte. Die Fahne ist ein Symbol für Zusammenhalt, Tradition und Identität – Werte, die es zu bewahren gilt. Tetzlaff ist sich dessen bewusst. Er weiß, dass es nicht nur darum geht, die Fahne zu erneuern, sondern auch darum, den ursprünglichen Charakter zu erhalten. Diese Philosophie wird von vielen Restaurierungswerkstätten geteilt, die auf mehr als 130 Jahre Erfahrung zurückblicken. Hier wird nicht einfach nur gearbeitet, sondern mit Leidenschaft und Hingabe an die Tradition geforscht und geschöpft.

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Natürlich gibt es immer wieder neue Herausforderungen. Verschleiß, Verschmutzung, Risse oder fehlende Fransen – all das kann eine Fahne in Mitleidenschaft ziehen. Aber mit der richtigen Technik und einer Prise Geduld kann jede Fahne wieder erstrahlen. Damit bleibt das Erbe lebendig, über Generationen hinweg. Die Vorfreude auf das kommende Bundesschützenfest in Damme ist also nicht nur ein Fest des Schützens, sondern auch ein Fest der Traditionen und der Kunst, die sie am Leben hält.