Wie die AZ online berichtet, hat der Wasserversorgungs-Zweckverband Landkreis Uelzen (WVU) seine beiden ehrenamtlichen Geschäftsführer abberufen. Diese Maßnahme steht im engen Zusammenhang mit aufgetretenen Ungereimtheiten beim Abwasserzweckverband (AZV) Uelzen, die sowohl von der Polizei als auch von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Die Geschäftsführer sind hauptberuflich beim AZV als Geschäftsführer und Teamleiter Finanzen tätig.

Die Abberufung wurde bei einer öffentlichen Verbandsversammlung bekannt, die für den 1. Dezember im Uelzener Ratssaal geplant ist. Zu den Verbandsmitgliedern zählen neben dem Landkreis Uelzen auch die Hansestadt Uelzen sowie mehrere Gemeinden und Samtgemeinden, wie etwa Bienenbüttel und Suderburg. Trotz der brisanten Lage schweigt der Verbandsvorsitzende Udo Depner zu den Gründen der Abberufung.

Der Abwasser-Skandal im Detail

Wie weiter von NDR berichtet, wurden am 14. November 2025 vier leitende Mitarbeitende des AZV von ihrer Dienststelle freigestellt. Die betroffenen Geschäftsführer sollen über einen Zeitraum von acht Jahren von 2017 bis 2025 hinweg systematisch Aufträge für Abwasserrohre und Pumpen manipuliert haben. Die fraglichen Aufträge erreichten einen Gesamtwert von beeindruckenden 3,3 Millionen Euro und wurden ohne Ausschreibung direkt an ein Unternehmen vergeben, das wiederum von den eigenen Mitarbeitenden auserwählt wurde.

Diese Firma soll für die produzierenden Unternehmen von Pumpwerken in den Rechnungen für den AZV etwa 30 Prozent des ursprünglichen Preises aufgeschlagen haben. Ob sich diese zusätzlichen Mittel an die Mitarbeitenden verteilten, ist derzeit noch Teil der laufenden Ermittlungen. Ein weiterer Skandalpunkt ist die Praxis, größere Aufträge künstlich in kleinere, unter 20.000 Euro liegende Aufträge aufzuteilen, um die Ausschreibungspflicht zu umgehen. Mit dieser List profitieren die Auftraggeber von einer Freistellung von der Kontrolle durch das Rechnungsprüfungsamt.

Ermittlungen und mögliche Konsequenzen

Die Ungereimtheiten wurden erstmals im April 2025 entdeckt, was schließlich zur Anzeige der Verwaltungsteams bei der Polizei führte. Ab diesem Zeitpunkt mussten sämtliche Vergabeentscheidungen dem Rechnungsprüfungsamt vorgelegt werden. Mögliche Straftaten, die den Mitarbeitenden zur Last gelegt werden könnten, umfassen Untreue, Korruption und Betrug.

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Die Ermittlungen werden von der Zentralen Kriminalinspektion in Lüneburg und der Staatsanwaltschaft Osnabrück durchgeführt. Die korrekten Abläufe bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen sind von entscheidender Bedeutung, um einem fairen Wettbewerb Rechnung zu tragen und Korruption sowie Vetternwirtschaft den Garaus zu machen, wie das Bundeswirtschaftsministerium erklärt.

Der bevorstehende Wirtschaftsplan für 2026 und die Gebührenkalkulation für die Jahre 2026 bis 2028 werden ebenfalls auf der Tagesordnung der Verbandsversammlung stehen, die in einer kritischen Zeit nach diesen Entwicklungen tagt.