Die Veranstaltungssaison in Niedersachsen ist offiziell eröffnet! Doch so richtig Freude will nicht aufkommen. Die Organisatoren stehen vor einer wahren Herausforderung: neue Sicherheitsauflagen und exorbitant gestiegene Kosten setzen den kleinen Festivals und ehrenamtlichen Events zu. Besonders bitter ist die Nachricht, dass das Open-R-Festival in Uelzen für 2026 abgesagt wurde. Die Veranstalter hoffen zwar auf eine Rückkehr im nächsten Jahr, aber Details stehen noch in den Sternen. In Diepholz hingegen wird das Appletree Garden Festival 2026 stattfinden, jedoch mit einer Pause 2027, da die hohen Sicherheitskosten einfach nicht tragbar sind.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Bodenschutzkosten für Festivals im Wald förmlich explodiert sind. Goslar Marketing berichtet von verzehnfachten Sicherheitsausgaben für die Walpurgisnacht. Und das Stove Open Air im Landkreis Harburg kann nur dank zusätzlicher Sponsoren über die Bühne gehen – die Sicherheitskosten haben sich dort einfach verdoppelt. In Meppen setzt man auf lokale Unterstützung, um die Sicherheitskosten zu drücken; die Stadt hilft unentgeltlich. Und im Sophiental kann man mit einem „Rock am Kanal“-Festival punkten, das auf maximal 999 Besucher limitiert ist, um unter der Schwelle für Großveranstaltungen zu bleiben.
Ein Trend, der nicht zu ignorieren ist
Die steigenden Sicherheitskosten sind nicht nur ein Phänomen Niedersachsens. Ein Blick nach Frankfurt zeigt, dass dort die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen bei Festen von 2024 auf 2025 mehr als verdoppelt wurden. Ein Beispiel gefällig? Die Bernemer Kerb kostete 2024 noch 4.493,44 Euro – 2025 waren es dann schon 51.379,44 Euro. Ähnlich sieht es beim Mainova Halbmarathon aus, wo die Kosten von 11.124,12 Euro auf 79.548,87 Euro schossen. Und das Höchster Schlossfest? Von 42.286,20 Euro auf 110.015,23 Euro. Irgendwie geht da die Kontrolle verloren, oder?
Die Gründe für diese drastischen Erhöhungen sind vielfältig. Gestiegene Sicherheitsauflagen, die durch die Bedrohungslage nötig wurden, fordern ihren Tribut. Auch der allgemeine Preisanstieg durch Inflation und Marktentwicklung tut sein Übriges. In Frankfurt wurden die Sicherheitsmaßnahmen nach dem schrecklichen Attentat auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024 verschärft. Rettungswege müssen nun durch bewegliche Sperren gesichert werden, und das hat seinen Preis.
Die Herausforderungen der Veranstalter
Die Sicherheitsausgaben belasten die Budgets der Kommunen enorm. In Frankfurt gab es früher ein Budget von 500.000 Euro für Feste – dieses wurde auf 750.000 Euro angehoben. Doch das reicht nicht aus, denn die genannten Veranstaltungen beanspruchen über 420.000 Euro des Budgets. Kleine Veranstalter profitieren jedoch von gelockerten Regeln: Bei weniger als 5.000 erwarteten Besuchern ist keine Vorsorge gegen Terroranschläge nötig. Diese Regelung könnte der Schlüssel zur Rettung kleinerer Feste sein.
Der Schaustellerverband Niedersachsen warnt, dass die steigenden Sicherheitskosten eine große Herausforderung darstellen. Verbandschef hat bereits vor möglichen Preiserhöhungen für die Besucher gewarnt. Viele hoffen auf finanzielle Unterstützung durch das Land, um die Durchführung von Festen und Märkten in Niedersachsen aufrechtzuerhalten. Schließlich bleibt abzuwarten, ob die Kommunen die Finanzierung und steuerliche Einordnung der Kosten klären können, um die finanzielle Belastung durch Sicherheitsauflagen in den Griff zu bekommen.
Wie lange kann es sich Niedersachsen noch leisten, seine Feste und Märkte zu organisieren, wenn die Sicherheitskosten weiter steigen? Ein ganzheitlicher Ansatz ist notwendig, um die finanziellen und strukturellen Auswirkungen der neuen Sicherheitsauflagen zu betrachten. Die Veranstalter und die Städte stehen vor einer gewaltigen Herausforderung, die ohne städtische Unterstützung kaum zu meistern ist. Die Vorfreude auf die Feste könnte bald einem tiefen Frust weichen, wenn sich an den bestehenden Bedingungen nichts ändert.