In Peine, wo die Luft manchmal nach frischem Heu und manchmal nach Regen riecht, gibt es ein ernstes Problem, das nicht nur die Tierheime, sondern auch die Herzen der Menschen berührt. Jährlich kämpfen Tierschützer gegen eine Flut von Kitten, die aus den unendlichen Weiten der nicht kastrierten, freilebenden Katzen geboren werden. Das Tierheim Peine und zahlreiche Pflegestellen sind rund um die Uhr im Einsatz, um diesen kleinen, hilflosen Geschöpfen zu helfen. Jana Wipper, stellvertretende Leiterin im Tierheim Salzgitter, appelliert eindringlich an die Katzenbesitzer: Kastriert eure Tiere! Denn die Kastration könnte den engagierten Tierschützern eine Menge Zeit, Arbeit und Sorgen ersparen.
Im Frühjahr startete das Tierheim Peine eine Suchaktion, nachdem vermehrt freilaufende Katzen im Ortsteil Broistedt gesichtet wurden. Tierschützer stellten Kameras und Fallen auf, um die Katzen einzufangen und sie kastrieren zu lassen. Innerhalb von nur drei oder vier Tagen wurden mindestens zehn Katzen ins Tierheim gebracht. Einige von ihnen waren sogar trächtig. Aktuell tummeln sich 42 Kitten aus dieser Fangaktion in den Pflegestellen. Die emotionale Belastung, die mit diesem Einsatz einhergeht, ist enorm, und die finanziellen Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen.
Die Realität der Kastration
Die Katzenschutzverordnung, die Freigängerkatzen zur Kastration und Mikrochipierung verpflichtet, gilt nicht überall. Viele Halter halten sich nicht an diese Regelung. Das ist besonders bedauerlich, denn Experten warnen vor einer exponentiellen Zunahme nicht geimpfter und verwilderter Katzen. Eine unkastrierte Katze kann in nur zehn Jahren über 80.000 Nachkommen hervorbringen. Das ist einfach unfassbar. Diese unkontrollierte Vermehrung stellt nicht nur eine Bedrohung für den Tierschutz dar, sondern auch für den Artenschutz, da Katzen häufig Vögel und andere Tiere fangen. Laut einer Erhebung des Tierschutzbundes verzeichnen fast 80 Prozent der Tierschutzvereine im Jahr 2024 steigende Straßenkatzenpopulationen. In ganz Deutschland wird die Zahl der herrenlosen Straßenkatzen auf etwa zwei Millionen geschätzt, während die Zahl der als Haustier gehaltenen Katzen fast 16 Millionen beträgt.
Die Situation ist also mehr als angespannt. Wichtige rechtliche Grundlagen wie das Tierschutzgesetz geben den Kommunen die Möglichkeit, Katzenschutzverordnungen zu erlassen, um die Katzenpopulation zu kontrollieren. Diese Verordnungen regeln die Kastrationspflicht für alle Freigängerkatzen und verlangen eine Kennzeichnungspflicht durch Mikrochip oder Ohrtätowierung. Doch nicht überall wird dies ernst genommen. Die Verantwortung liegt bei den Kommunen, die über die Einführung und Kontrolle entscheiden. Dabei sind die zuständigen Behörden wie Ordnungs- und Veterinärämter gefragt, um sicherzustellen, dass diese Regelungen eingehalten werden.
Hilfe für das Tierheim
Das Tierheim Peine trägt die Kosten für Tierarztbesuche, Impfungen, Chippen, Futter, Katzenstreu und Spielzeug. Aber die gestiegenen Tierarztkosten setzen dem Tierheim zusätzlich zu. In dieser kostenintensiven Zeit sind Spendenmöglichkeiten über einen Link verfügbar, um die wertvolle Arbeit der Tierschützer zu unterstützen. Denn ohne die Hilfe der Gemeinschaft wird es schwer, die Situation zu bewältigen. Die Lage im Tierheim ist momentan ruhig, könnte sich jedoch schnell ändern. Der Gedanke daran, dass jedes nicht kastrierte Tier eine potenzielle Quelle für weiteres Katzenleid ist, schmerzt.
Ehrlich gesagt, es ist ein Teufelskreis. Aber gemeinsam, mit einem klaren Bewusstsein für die Verantwortung, die jeder Katzenhalter trägt, kann vielleicht der Weg aus dieser Misere gefunden werden. Kastration ist kein leichter Schritt, aber es ist eine notwendige Maßnahme, um das Katzenleid zu verringern und die Kittenflut zu stoppen. In Peine sollte jeder, der eine Mieze hat, sich dieser Verantwortung bewusst sein. Denn am Ende sind es die kleinen Katzen, die nicht gefragt haben, in welche Welt sie geboren werden.