In Edemissen, einem kleinen Ort bei Peine, hat jetzt ein Stück Geschichte sein Ende gefunden. Der Friseursalon „J+S“, der seit 1957 in Familienhand war, hat seine Türen geschlossen. Ein Ort, der für viele Menschen über Jahrzehnte hinweg mehr war als nur ein Friseurladen. Hier traf man sich nicht nur zum Haareschneiden, sondern auch zum Plaudern, Lachen und zum Austausch von Neuigkeiten. Viele Kunden blieben ihren Salons ein Leben lang treu. Das ist in einer Zeit, in der der Druck auf kleine, familiengeführte Betriebe ständig steigt, besonders schmerzhaft.
Nico Krüger, der den Salon zuletzt mit seinen Schwestern Lena und Kim führte, übernahm das Geschäft vor vier Jahren und modernisierte es. Doch trotz aller Bemühungen war der Fachkräftemangel einfach nicht zu stemmen. Der Weggang einer Mitarbeiterin führte zu einer Kettenreaktion, die letztlich die Schließung zur Folge hatte. „Wir konnten die Abgänge nicht ausgleichen“, erzählt Nico. Am Ende arbeiteten nur noch zwei Angestellte und ihr Vater Jörn Krüger im Salon. Die Geschwister waren voll berufstätig in anderen Bereichen, was die Situation zusätzlich erschwerte. Zu oft ist es leider Realität, dass die kleinen, feinen Betriebe nicht mehr wirtschaftlich tragbar sind.
Ein Blick auf die Branche
Die Friseurbranche in Deutschland befindet sich im Umbruch. Aktuell gibt es zwischen 85.000 und 90.000 Friseursalons, und der Trend geht eindeutig zu kleineren, spezialisierten Salons. Die großen Ketten, die vor allem im Osten des Landes dominieren, haben es oft schwer, sich gegen die hyperlokalen Konzepte zu behaupten. Besonders in der letzten Zeit hat die Corona-Pandemie viele Friseure aus der Branche gedrängt. Auch die Digitalisierung nimmt zu – während 2017 nur 15 % der Salons Online-Terminbuchungen anboten, sind es heute deutlich mehr. Ein Zeichen der Zeit, dass auch in der Friseurbranche frischer Wind weht!
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Branche ist seit 2017 um 19,1 % gesunken. Gerade mal 9,9 % der Salons bilden aus, was die Zukunft der Branche in Frage stellt. 2023 haben nur noch 13.509 Azubis ihre Ausbildung begonnen. Ein besorgniserregender Trend, der nicht ignoriert werden kann. Die Friseure, die noch aktiv sind, müssen sich in einem hart umkämpften Markt behaupten und kämpfen oft um die Existenz ihrer Betriebe.
Ein Abschied mit Wehmut
Die Schließung von „J+S“ in Edemissen ist nicht nur ein Verlust für die Familie Krüger, sondern für die gesamte Gemeinschaft. Ein Stück Heimat, das nun fehlt. Es ist ein Zeichen für die Herausforderungen, vor denen viele kleine Salons stehen. In einer Welt, in der alles schneller und effizienter werden soll, scheint der persönliche Kontakt und die Treue zu einem bestimmten Salon oft auf der Strecke zu bleiben. Vielleicht ist es an der Zeit, wieder mehr Wert auf diese kleinen Oasen des Alltags zu legen, bevor sie für immer verschwinden.